Sigmar Gabriels Einblick, Ben Bernankes Durchblick

Um es klar und eindeutig vorweg zu sagen: Sigmar Gabriel hat nicht mit mir telefoniert! Einige Leser haben spontan gefragt, ob und wann der Bundeswirtschaftsminister mit mir gesprochen hätte, bevor er gegenüber Focus den denkwürdigen Satz sagte, dass er an die „wundersamen Berechnungen vom Wirtschaftswachstum durch TTIP“ nicht glaube. Jede Wechselkursschwankung habe stärkere Auswirkungen. „Die ganzen Folgeschätzungen der vermeintlichen Befürworter oder Gegner von TTIP machen alle ein bisschen den Eindruck von Voodoo-Ökonomie.“

Bravo! Wann hat ein deutscher Wirtschaftsminister so viel Einsicht in die relevanten Zusammenhänge gezeigt. Dass er dann nachgeschoben hat, dass Europa das Abkommen dringend brauche, weil „unsere Unternehmen“ bei gleichen Standards nicht zweimal ein Zulassungsverfahren durchlaufen müssen, wollen wir dagegen schnell wieder vergessen. Wenn es weltweit unterschiedliche Präferenzen der Menschen und der Gesellschaften gibt, dann muss es auch unterschiedliche Standards geben, selbst wenn die Unternehmen zwei- oder dreimal Zulassungsverfahren durchlaufen müssen. Oder ist plumpe Kostensenkung wichtiger als die Wünsche der Menschen? Und warum Europa profitieren soll, wenn es die Standards des Welthandels für die kommenden 20 bis 30 Jahre beeinflussen kann, muss auch das Geheimnis von Sigmar Gabriel bleiben.

Aber der Satz mit den Wechselkursen ist allererste Sahne. Statt mit mir, hat er vermutlich mit seinem amerikanischen Kollegen telefoniert. [...]

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