Archiv | 26.05.2015

Aufgelesen bei … der NZZ: Keynes gegen die österreichische Schule – Altes vom Wühltisch der Schlagworte

Auch in der Schweiz bewegt sich die wirtschaftspolitische Diskussion nicht gerade auf einem berauschenden Niveau. Das zeigt exemplarisch ein Kommentar aus der NZZ am Sonntag.

Der Autor, Beat Kappeler, müsste es eigentlich besser wissen. Er hat in Genf und Berlin Volkswirtschaftslehre studiert und in Lausanne selbst doziert. Zudem war er 15 Jahre lang Sekretär im Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Vom Schulsack her gesehen gehört er also zur Spitze der Schweizer Wirtschaftspublizistik.

Seinen jüngsten Kommentar in der NZZ am Sonntag beginnt er mit der Feststellung, dass die um 1 Prozent gesunkenen Preise den Schweizer Arbeitnehmern höhere Reallöhne beschert haben, „scheinbar mühelos, und ohne, dass jemand dafür bezahlt“. Dann leitet er zur Frage über, ob diese „fast paradiesischen Zustände auf der Lohnseite“ nachhaltig seien. „Steigern die höheren Löhne nicht wundersam die Kaufkraft und lösen damit alle Probleme?“

Damit hat Kappeler das Terrain für einen ideologischen Rundschlag vorbereitet. „Da müssen wir auf eine heftige, weltweite Auseinandersetzung der Ökonomen eintreten.“ Und wie immer bei Kappeler geht es um den Match Österreichische Schule gegen Keynes. Zunächst kriegt Keynes sein Fett ab. Das geht so: „Seit der Krise der Dreissiger Jahre beherrschte die Lehre des John M. Keynes die Szene mit genau dieser Ansicht: Lohnsumme, [...]

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