Archiv flassbeck-economics | 06.05.2015 (editiert am 25.05.2016)

Höhere Lohnabschlüsse trotz Arbeitslosigkeit? Neue Einsichten bei der herrschenden Lehre?

Als sich im Juli des vergangenen Jahres zunächst der Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Jens Ulbrich, und anschließend auch sein EZB-Kollege, Peter Praet, für höhere Löhne in Deutschland aussprachen, war die Verwunderung groß, gilt doch insbesondere die Bundesbank seit Jahrzehnten als strikte Befürworterin von Lohnzurückhaltung. Wie der britische „Guardian“ kürzlich berichtete, kommen nun ähnliche Forderungen nach höheren Lohnabschlüssen aus Japan und dem Vereinigten Königreich. So hätten in diesem Jahr sowohl der japanische Premierminister Shinzo Abe gegenüber der japanischen Wirtschaftelite als auch etwa einen Monat später sein britischer Amtskollege David Cameron gegenüber den Handelskammern für Lohnsteigerungen in ihren Ländern plädiert, wobei dies insbesondere im Fall David Camerons, eines wirtschaftspolitisch strikt konservativen Politikers, überrascht. Ebenso erstaunlich erscheint, dass das führende Wirtschaftsmagazin des Marktliberalismus, nämlich der britische „Economist“, mit Blick auf die US-amerikanische Wirtschaft am 11. April dieses Jahres titelte: „Vorsicht jetzt – Wenn die Löhne nicht steigen, könnte Amerikas ökonomische Delle zum Trend werden“ (Careful now – Unless wages grow, America’s economic blip could become a trend“).

Was ist geschehen? Nach der vorherrschenden neoklassischen Arbeitsmarkttheorie kommt es nur bei einem Reallohnsatz, der über dem Gleichgewichtsreallohnsatz liegt, zu einem Überangebot am Arbeitsmarkt; [...]

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