Archiv flassbeck-economics | 28.05.2015 (editiert am 25.05.2016)

Österreich: Der abgehängte Musterschüler, Teil 1

Ein Leser aus Österreich hat gefragt, was wir von einem Artikel aus dem “Standard“ halten, wo für Österreich das „Ende eines Musterschülers“ ausgerufen wird, weil in Österreich nach der globalen Finanzkrise von 2008/2009 die Wachstumsraten gering waren und die Arbeitslosigkeit deutlich stieg, während sie in Deutschland stetig fiel.

In dem Artikel des Standard werden zwar einige wichtige Elemente genannt, die geeignet sind, das Zurückfallen Österreichs gegenüber Deutschland zu erklären, aber es kommt am Ende doch kein klares und widerspruchsfreies Bild heraus. Ein solches Bild zu zeichnen, wollen wir im Folgenden versuchen. Wir nehmen Belgien in den Vergleich mit hinein, weil das ein in vieler Hinsicht vergleichbares Land ist und einige zusätzliche Aspekte auszuleuchten hilft. Belgien weist zwar eine wesentlich höhere Staatsschuldenquote als Österreich auf, hat aber vor der Europäischen Währungsunion (EWU) fast so lange wie Deutschlands südöstlicher Nachbar seine Währung fest an die deutsche gebunden. Die wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen zeigen, wie sehr fast alle Länder Europas unter dem unseligen deutschen Austeritäts- und Flexibilitätsdogma leiden.

Schaut man zurück bis zum Jahr 1999, dem Beginn der E WU, wie wir das hier üblicherweise tun, sieht man erneut, dass Deutschland in den ersten Jahren auch im Vergleich zu Österreich und Belgien eine traurige Leistung geboten hat (Abbildung 1). [...]

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