Streitpunkt “Residualsaisonalität”: neue Rätsel und Thesen zum (fehlenden) US-Wachstum im Winterquartal

Kann es denn wirklich wahr sein, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal stagnierte? Zunächst wurde die ernüchternde Botschaft zur Stagnation im ersten Quartal von vielen Beobachtern auf temporäre Sonderfaktoren abgeschoben: Im Winter hatte es viel geschneit, der Dollar hatte stark und auf breiter Front aufgewertet, die Häfen an der Westküste waren bestreikt worden; merkwürdigerweise hatte der Ölpreisverfall die Investitionen der Unternehmen der Energieindustrie geschwächt statt die Haushalte zu mehr Konsumausgaben zu inspirieren etc. Jetzt hat eine weitere Erklärungsthese für Furore gesorgt, die auch innerhalb der Federal Reserve sehr kontrovers diskutiert wird. Laut dieser These soll die vom Bureau of Economic Analysis (BEA) verwendete Methodik zur Saisonbereinigung das Wachstum im ersten Quartal systematisch unterschätzen, so vermuten jedenfalls einige Ökonomen und Statistiker – und schätzen das US-Wachstum im Winterquartal nach zusätzlicher oder alternativer saisonaler Bereinigungsmethodik auf eine Rate von bis zu 1,8 Prozent ein. Auch nicht gerade bärenstark, aber zumindest besser als die vom BEA verlautete offizielle Vollbremsung. Der quasi-Stillstand im Winter als eine statistische Anomalie? Ist da vielleicht was dran?

Allgemein gilt: Viele wirtschaftliche Aktivitäten in einer Volkswirtschaft unterliegen ausgeprägten saisonalen Schwankungen, also Veränderungen, die in Richtung, Stärke und Zeitpunkt alljährlich mit schöner Regelmäßigkeit wiederkehren. Auch in modernen Volkswirtschaften, [...]

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