Archiv | 29.05.2015

Wirtschaftskrisen und die Selbststabilisierung des Systems

Ein Gastbeitrag von Peter Nahamowitz 

Vorbemerkung Heiner Flassbeck

Ich hatte Peter Nahamowitz, der uns in einer Mail zum Multiplikatorstreit kontaktierte, gebeten, seine historischen Thesen und die Aussagen prominenter Ökonomen zu den Krisenursachen der großen Depressionen der vergangenen 150 Jahre etwas ausführlicher aufzuschreiben. Das hat er dankenswerterweise getan und wir dokumentieren hier seinen Text. Die Überproduktionsthese, die den Kern der linken wie rechten Zyklentheorie der vergangenen Jahrhunderte ausmachte, bekommt dabei einen entscheidenden Platz bei der Erklärung der großen Krisen eingeräumt. Das ist historisch (im Sinne von dogmenhistorisch) absolut richtig, in meinen Augen aber ökonomisch (im Sinne einer Erklärung der Fakten) vollkommen falsch. Man hat vor 150 Jahren (und das gilt, wenn ich es recht sehe und mich niemand eines Besseren belehrt, ungeschmälert auch für Marx und Engels) genauso wenig wie heute die zentrale Rolle des Arbeitsmarktes und der Löhne bei der Krisenverursachung oder bei der Stabilisierung von Konjunkturzyklen verstanden. Deswegen hat man die Fakten vollkommen falsch interpretiert, so meine Behauptung.

Wenn man bei der üblichen Art der Geschichtsschreibung in 150 Jahren auf die Eurokrise schaut, wird man vermutlich wieder ein Scheitern der staatlichen Austeritätspolitik konstatieren (ein Versagen der Geldpolitik gibt es diesmal ja nicht, [...]

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