Arbeitslosigkeit im Mai: Und wieder wird das „Musterland“ schöngeredet

Ganz gleich, ob man heute die FAZ, die SZ oder Spiegel-Online anschaut (FAZ hier, SZ hier), überall wird eine grandiose Erfolgsmeldung bezüglich der Arbeitslosenzahlen für den Monat Mai produziert. „Niedrigste Arbeitslosenzahl seit 24 Jahren“ heißt es in den „Leitmedien“ unisono. Ob man überhaupt bei der häufig veränderten Definition von Arbeitslosigkeit die heutige Quote mit der von vor 24 Jahren vergleichen kann, fragt kaum einer. Nur ganz am Rande, wenn überhaupt, wird erwähnt, dass die saisonbereinigte Abnahme der Arbeitslosenzahl bei geringen 5000 lag und dass die Beschäftigung fast nicht mehr steigt. Das passt zu unserer Einschätzung, dass sich auch die deutsche Konjunktur erneut eintrübt.

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Es soll wohl der Eindruck vermittelt werden, im deutschen „Musterland“ sei einfach alles in Ordnung. Wenn man aber die deutschen Arbeitsmarkt“erfolge“ sozusagen eins zu eins auf die europäischen Partner überträgt (was ja wegen des außenwirtschaftlichen Widerspruchs einer merkantilistischen Strategie ohnehin nicht ginge), sieht man, dass nicht einmal dann eine rosige Zukunft für den Rest der Union zu erwarten wäre. Selbst wenn sich alle von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelten EWU-Partnerländer dem deutschen Reformvorbild anschlössen, hätten sie beim Abbau der Arbeitslosigkeit nicht viel Positives zu erwarten. Wie das Bild zeigt, ist der Fortschritt bei der Rückführung der deutschen Unterbeschäftigung von fast vier Millionen Anfang 2012 in den vergangenen Jahren gering gewesen. Würde man in diesem Tempo die Arbeitslosigkeit in den Ländern reduzieren, deren Quoten heute über 20 Prozent liegen, dauerte es Jahrzehnte, bis in diesen Ländern jungen Menschen wieder eine halbwegs gesicherte berufliche Zukunft geboten werden könnte.

Da das ganz offensichtlich wirtschaftlich und daher politisch kein ernst zu nehmendes Angebot für die EWU-Partnerländer sein kann, sondern eine Perspektivlosigkeit darstellt, die keine Demokratie unbeschadet überlebt, muss der deutsche Fall möglichst schöngeredet werden, damit die anderen bloß nicht anfangen darüber nachzudenken, ob man sich deutsche Verhältnisse wirklich wünschen sollte.

 

 

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