Archiv | 19.06.2015

Aufgelesen bei … Spiegel online: Griechischer Primärüberschuss

Kennen Sie das angenehme Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt, sobald sich der Hammer wieder vom Daumen entfernt, den er kurz zuvor getroffen hat? Daran wurde ich erinnert, als ich vor einiger Zeit in Spiegel Online folgende Sätze des Wirtschaftsredakteurs Nicolai Kwasniewski las:

Der sogenannte Primärüberschuss bezeichnet das Haushaltsplus des Staates, das vor Zinszahlungen und Schuldendienst übrig bleibt. Dieser Wert ist deshalb so wichtig, weil die Regierung in Athen bei einem üppigen Überschuss von fünf Prozent ausreichend finanzielle Mittel hätte, um zu investieren und so für mehr Wirtschaftswachstum zu sorgen.“

Diese Sätze sind so symptomatisch für die Meinungsmache der deutschen Leitmedien im Schuldenstreit mit Griechenland, dass ich sie kurz kommentieren möchte, auch wenn sie nicht mehr topaktuell sind. Eine korrekte Sachinformation für den wirtschaftspolitischen Laien, nämlich die Definition von Primärüberschuss im ersten Satz, wird hier im zweiten Satz mit einer Erläuterung verbunden, die an Groteskheit kaum zu überbieten ist. Der naive Leser muss den Eindruck gewinnen, dass die im vorausgehenden Absatz genannte Forderung der „Institutionen“, Griechenland solle in seinem Staatshaushalt einen Primärüberschuss von 4 bis 5 Prozent (IWF) oder von wenigstens einem Prozent (EU-Kommission) erwirtschaften, ganz und gar im Interesse des Landes sei. [...]

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