Archiv flassbeck-economics | 08.06.2015 (editiert am 25.05.2016)

Die Schweizer Nationalbank macht Wirtschaftspolitik – und (fast) niemand wehrt sich

Nach massiven Einbrüchen bei Umsätzen, Bestellungseingang und Margen fordert die Schweizerische Metallindustrie die Nationalbank in einem Nebensatz auf, den Franken zu schwächen.

Gemäß dem Branchenverband Swissmem sind im ersten Quartal 2015 in der Maschinen-Elektro- und Metallindustrie die Umsätze um 8,3 und die Auslandbestellungen um 19,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zurückgegangen. Die Gewinnmargen seien um 4 Prozentpunkte gesunken. 31% der angeschlossenen Unternehmen mit ihren insgesamt 330’000 Beschäftigten rechneten 2015 mit einem Verlust. Swissmem führt diese Entwicklung auf die massive Aufwertung des Frankens zurück. Auch die amtliche Statistik der Schweiz meldet eine starken Rückgang des Außenhandels (hier zu finden).

Bereits vor drei Monaten hatte der Branchenverband eine solche Entwicklung vorhergesagt. Schon damals forderte die Swissmem die Politik auf „endlich zu erwachen“. Interessanterweise wurde in der damaligen Pressemitteilung die Schweizerische Nationalbank noch nicht direkt angesprochen. Stattdessen forderte Swissmem ein Freihandelsabkommen mit den USA, steuerliche Erleichterungen, betriebliche Lohnsenkungen, längere Arbeitszeiten und mehr Innovationsförderung. Offenbar wollte man – genau wie andere Unternehmerverbände und die bürgerlichen Parteien – die Gunst des starken Frankens nützen, um alte Anliegen endlich durchzusetzen.

In der neuesten Pressemitteilung werden diese Forderungen wiederholt. Neu wird auch noch mit Standortverlagerungen gedroht. Ganz am Schluss steht dann neu auch noch dies: „Und nicht zuletzt fordert Swissmem die SNB auf, [...]

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