Archiv flassbeck-economics | 29.07.2015 (editiert am 25.05.2016)

Auf gutem Weg? Teil 1: Welchen Verlauf die "Programmländer" nehmen

Immer wieder wird die Entwicklung in den europäischen Ländern, die sich den Reformprogrammen der Troika unterwerfen mussten, um in einer schweren Krisensituation Kredithilfen zu erlangen, oder die freiwillig einen neoliberalen Kurs in der Wirtschaftspolitik verfolgt haben, als Beweis dafür angeführt, dass die geforderten und durchgeführten Reformmaßnahmen positiv wirkten, also Wachstum und einen Abbau der Arbeitslosigkeit ermöglicht und die langfristigen Perspektiven der reformwilligen Volkswirtschaften deutlich aufgehellt hätten.

Unserer Ansicht nach sind jedoch die Austeritätspolitik, also staatliches Sparen inmitten einer konjunkturellen Krise, und Reformen, die auf eine Senkung der Löhne und mit ihnen der Renten hinauslaufen, dafür verantwortlich, dass es zu anhaltender Stagnation in Europa und damit zu einer Vertiefung der europäischen Krise gekommen ist und weiterhin kommt.

In diesem und weiteren Beiträgen soll diesen gegensätzlichen Ansichten noch einmal auf den Grund gegangen werden. In Teil 1 befasse ich mich vorwiegend mit Spanien, Portugal und Irland. In den folgenden Teilen soll es um die baltischen Staaten und weitere osteuropäische Länder in- und außerhalb der EWU gehen.

In den drei genannten westeuropäischen „Programmländern“ Spanien, Portugal und Irland hat die bisherige Krisenpolitik die Lohnstückkosten enorm gedrückt (vgl. Abbildung 1): In Irland, das bis zum Jahr 2008 einen rasanten Anstieg seiner gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten um fast die Hälfte zu verzeichnen hatte (damit sogar rasanter als Griechenland!), [...]

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