Archiv flassbeck-economics | 09.07.2015 (editiert am 25.05.2016)

Die Gesellschaft marktkonform organisieren? – Wie eine Wahnvorstellung in die Welt gesetzt wurde

Hinter dem Streit um die „Strukturreformen in den Eurostaaten“ steht die Frage, ob man eine Gesellschaft marktkonform organisieren kann, indem man die Arbeitsmärkte nach den Bedürfnissen der Unternehmen flexibilisiert, die Bildung in den Dienst der Wettbewerbsfähigkeit stellt, Arbeitsmobilität nicht nur fördert, sondern gar erzwingt, den Sozialstaat abbaut, um Ressourcen für den Export zu schaffen, und indem man auch die eigene Währung zwecks Exportförderung schwächt. Und klar: Umweltschutz ist zwar gut, darf aber die Wettbewerbsfähigkeit nicht antasten, denn ohne die ist alles nichts.

Sechs Jahre Austerität in Europa haben die Frage beantwortet: Der Versuch, die „Wettbewerbsfähigkeit“ zur obersten Maxime der Wirtschaftspolitik zu machen, ist grandios gescheitert. Wir haben all dies auf flassbeck-economics.de immer wieder ausführlich dokumentiert. Hier wollen wir der ideengeschichtlichen Frage nachgehen, wie sich die abstruse Idee, die Gesellschaft marktkonform zu organisieren, in den Köpfen festsetzen konnte, und warum man die Gefährlichkeit schon von vorneherein hätte erkennen müssen, nämlich bevor in Deutschland zum Zweck der Exportförderung ein Niedriglohnsektor eingerichtet und ein Subproletariat etabliert wurde, und bevor Griechenland in Rezession und Chaos versinken musste.

Der Markt ist eine relativ neue Organisationsform. 999 von 1000 Generationen von Menschen haben ohne Markt überlebt und auch in modernen Gesellschaften wird nur eine Minderheit der Bedürfnisse über den Markt gedeckt. [...]

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