Eine merkwürdige Reaktion in der SZ und eine Antwort von Fritz Glunk darauf

Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung (hier) gibt es eine mehr als merkwürdige Reaktion auf den Brief der fünf Ökonomen an Angela Merkel. Der frühere Herausgeber der Gazette München, Fritz Glunk, hat daraufhin an den Autor der SZ, Adrian Kraye, folgende Mail gesendet und uns zur Verfügung gestellt:

„Sehr geehrter Herr Kreye,

vor einigen Jahren waren Sie bei einer Strategiebesprechung im Haus des damaligen Herausgebers der GAZETTE dabei. Aus der Begegnung ergab sich keine weiterführende Zusammenarbeit, und nach der Lektüre Ihres „Ehrenwerte Anliegen“ ist mir auch klar, warum.

Avaaz mag so „umstritten“ sein, wie Sie schreiben: Wenn es jedoch Daniel Boese gelingt, fünf Wissenschaftler zu einem gemeinsamen Offenen Brief an Angela Merkel zu bewegen, dann ist dieser Brief nicht schon deshalb gering zu bewerten, weil ihn ein „media campaigner for Avaaz“ auf den Weg gebracht hat. Unabhängig davon und auf jeden Fall bleiben die Autorität der Briefverfasser und das Gewicht des Briefinhalts bestehen.

Vollends unbegreiflich ist der letzte Absatz des Artikels. Wer hat denn die behauptete „Trennung der außerparlamentarischen Gewalten“ (ein verdächtig suggestionsreicher Neu-Begriff) als Gebot aufgestellt? Dürfen Wissenschaftler, als Professoren der Wahrheit verpflichtet, etwa nicht Stellung beziehen? Oder dürfen Sie es nur dann nicht, wenn die Stellungnahme auch von irgendeiner politischen Partei oder Ideologie vertreten wird (hat Avaaz den Brief-Autoren etwa den Inhalt vor-geschrieben?)? Waren die Göttinger Sieben, die Wissenschaftler gegen Atomkraft, ist das IPCC auf einem verbotenen Irrweg? Wollen Sie Nikolaus Piper in der SZ das Wort verbieten, weil er standhaft die politischen Positionen des CDU-Wirtschaftsflügels vertritt? Einer Zeitschrift einen politischen Artikel von mir übelnehmen, nur weil ich nebenbei auch noch Attac-Mitglied bin?

Noch genauer gefragt: Welches Medium hat hier denn, wie Sie unterstellen, Partei ergriffen? Etwa das Internet? „Medien“, die den Offenen Brief etwa wiedergegeben haben? Wem Sie hier vorwerfen, „politisch“ Partei ergriffen zu haben, bleibt unklar. Es spielt allerdings keine sehr große Rolle, denn ganz selbstverständlich berichten Medien (insbesondere in einer meinungsvielfältigen Gesellschaft) von einem Offenen Brief an eine Bundeskanzlerin — seine Autorität, Relevanz und Aktualität vorausgesetzt. Der Vorwurf, sie dürften das nicht, geht ins Leere und ist bei einem anerkannten Journalisten besonders verwunderlich.

Persönlich ärgert mich der ungrammatische Taschenspielertrick mit „keine Partei ergreifen“. Korrekt hätte es heißen müssen „nicht Partei ergreifen“. Aber so, inkorrekt, versuchen Sie, dem Leser eine „Partei“ (Avaaz in diesem Fall?) schier konkret vor Augen zu stellen. Ich mag solche sprachlichen Tricks nicht.

Falls der Tenor Ihres Artikels für die Süddeutsche Zeitung charakteristisch sein sollte, verwundert der fortschreitende Niveau-Verlust der Zeitung kaum noch.

Mit besten Grüßen:

Fritz Glunk“

 

 

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