Gab es einen Plan B bei SYRIZA?

Es wurde in den vergangenen Tagen viel davon geredet, warum SYRIZA bei den Verhandlungen mit den Gläubigern so naiv war und einfach glaubte, man könne verhandeln, ohne ein Druckmittel in der Hand zu haben. Auch einen Plan B, meinen manche, hätten sie haben müssen.

Beides aber, ein Druckmittel und einen Plan B, was im Prinzip auf das Gleiche hinausläuft, hätte vorausgesetzt, dass, erstens, SYRIZA die Situation richtig einschätzt, was offensichtlich nicht der Fall war, und, zweitens, dass man sich sehr intensiv Gedanken über ein Druckmittel in den anstehenden Verhandlungen macht, was aber auch nicht der Fall war. Das Referendum war dann der verzweifelte Akt, ein Druckmittel zu schaffen, aber auch das war Illusion.

Ich habe im November vergangenen Jahres, also noch vor der Wahl von SYRIZA in Griechenland vorhergesagt, dass es so kommen wird (vgl. das hier zu findende Audio, das die letzten zehn Minuten meiner Rede in Athen enthält – in englisch, die gesamte Rede ist hier). Dass man einerseits eine Koalition braucht, dass aber selbst eine Koalition der Südländer schwach ist, wenn sie keine Waffe hat, die man bei den Verhandlungen mit einem übermächtigen Partner auf den Tisch legen kann.

Übrigens, eine Waffe, die man auf den Tisch legt, ist etwas anderes als eine Waffe, die man benutzt. Man muss allerdings glaubwürdig sein in seiner Drohung, dass man die Waffe benutzen könnte, wenn die andere Seite nicht bereit ist, sich auf ernsthafte Verhandlungen einzulassen.

 

 

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