„Ist meinem Index doch egal“- Aktuelles aus dem Wörterbuch der Marktteilnehmer

„Und was me no cha hoffen isch alei, dass si hemmige hei.“

Der Schweizer Mundartdichter Mani Matter hat Recht, Hemmungen, Gewissensbisse und Skrupel sind für ein gutes Zusammenleben unerlässlich. Deswegen muss man auch ein scharfes Auge auf alles haben, was Hemmungen abbaut. Das gilt besonders für den Sprachgebrauch: man kann die Realität immer auch so in Worte fassen und verkürzen, dass alles ausgeblendet wird, was das Herz einschalten und Gefühle wecken könnte –Arbeitslosigkeit, Armut, erzwungene Auswanderung, Menschen. Diese souveräne Wertneutralität erlangt man heutzutage am besten, wenn man die Welt durch die Brille der Kapitalmärkte sieht. Dazu braucht es zwar viel Übung, aber die haben wir inzwischen ja leider bis zum Abwinken. Wer das Weltgeschehen schon nur bei den Abendnachrichten am Bildschirm verfolgt, weiß, dass ein Vorkommnis erst dann zum berichtenswerten Ereignis wird, wenn es seinen Niederschlag am MARKT gefunden hat, weil es beispielweise einen Spread um ein paar Punkte nach oben verschoben hat. Politische Analyse besteht heute vor allem darin, im Kaffeesatz der Marktreaktionen zu lesen.

Auf diese Weise finden die Kommentatoren auch immer wieder mal heraus, dass ein angebliches Ereignis – wie etwa der wirtschaftliche und soziale Kollaps Griechenlands – eigentlich gar keines ist. Diese Erkenntnis verdanken wir Michael Rasch von der NZZ. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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