Kritische Journalisten – wie schön

Einige Leser weisen darauf hin, dass es Kritik an einer Stelle des Briefes der fünf Ökonomen in der deutschen Presse gibt (z. B. hier). In der Tat bin ich von einem Wissenschaftsjournalisten angefragt worden zu der Aussage in dem Brief, die Säuglingssterblichkeit sei in die Höhe geschossen. Man bestreitet diese Aussage.

Ich will hier zur Sache gar nichts sagen, es wird genau überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Die Aussage ändert ja auch an der Schlussfolgerung des Briefes überhaupt nichts. Sie war ja nur zur Bebilderung einer Situation getroffen worden. Man hätte statt der Säuglingssterblichkeit fünfzig andere Indikatoren nehmen können, die eine dramatisch verschlechterte soziale Situation in Griechenland zeigen.

Ich finde es auch gut, dass Journalisten genau hinschauen und mit kritischem Verstand die Behauptungen anderer überprüfen. Das ist ihre Aufgabe. Ich frage mich nur, wo diese kritischen Journalisten in vielen anderen Fällen sind, gerade wenn es um Griechenland geht. Um nur einige markante Fälle zu nennen. Wo sind die Journalisten, die ihre Kollegen kritisieren, die nachweislich falsche Zahlen in die Welt setzen, Fakten unterdrücken, die zum Bild gehören und mehr als tendenziöse Aussagen machen (wie hier)? Wo sind die kritischen Journalisten, die Aussagen von Politikern über die Krise in Griechenland öffentlich in Frage stellen, die nachweislich falsch sind (wie hier)? Wo sind die Journalisten, die Wissenschaftler kritisieren, die unsinnige Vergleiche machen und falsche Behauptungen aufstellen, die ganz zentral für deren Aussagengebäude sind (wie hier)? Und wo sind die kritischen Journalisten, die uns bei dem, was wir tagtäglich tun, nämlich kritische Analyse zu bieten und der Logik Vorrang einzuräumen, tatkräftig und ohne Ansehen des zu Kritisierenden unterstützen?

Es ist schon bemerkenswert, dass gerade dann, wenn in Deutschland die Regierung und der Mainstream in den Medien und in der Wissenschaft heftig kritisiert wird, diejenigen genau hinschauen, deren Beruf und Berufung es sein sollte, immer genau hinzuschauen. Ein weiteres Beispiel dazu ist hier zu finden. Doch dazu nächste Woche mehr.

 

 

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