Liebe Leser,

wir verabschieden uns bis zum 1. 9. in die Sommerpause und hoffen, auch Sie können einen schönen und ruhigen Sommerurlaub verbringen.

Das vergangene halbe Jahr war extrem hektisch und es fiel uns nicht leicht, auf alle die dramatischen Ereignisse in Deutschland und in Europa angemessen zu antworten. Ansporn für unseren Einsatz war aber vor allem Ihr Interesse und Ihre Bereitschaft, sich mit unserer Sicht der Dinge auseinanderzusetzen. Wir haben noch nie so viele Leser gehabt und wir haben noch nie so viele und weit überwiegend positive Rückmeldungen der Leser bekommen. Leider waren wir nicht in der Lage, alle Anfragen zu beantworten oder alle angesprochenen Themen zu behandeln. Das bedauern wir und bitten diejenigen um Verständnis, auf deren Hinweise, Fragen oder Einwände wir nicht reagiert haben.

Leider ist die politische Konstellation in Deutschland und Europa nicht so, dass man hoffnungsfroh in den Herbst schauen könnte. Dogmatismus und Engstirnigkeit bedrohen die offene und auf sozialen Zusammenhalt angewiesene Gesellschaft ebenso wie eine friedliche und faire Kooperation der Nationen. Ein einzelnes kleines Land wurde in den vergangenen Monaten in Deutschland zur Zielscheibe von Ressentiments, offener Verachtung und einer öffentlichen Kampagne, die Mechanismen offenlegt, von denen die meisten von uns geglaubt hatten, wir hätten sie ein für allemal hinter uns gelassen. Doch nationalistischer Hochmut und die Suche nach Feindbildern waren offenbar nur temporär vom Entsetzen über den kollektiven Wahnsinn zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts überdeckt und nicht generationenübergreifend überwunden worden. Sie sind vielmehr von den Stürmen einer Krise des Finanzsystems wieder an die Oberfläche gespült worden.

Noch ist nicht alles verloren. Der Schock über das unsinnige deutsche Diktat für Griechenland hat weltweit aufgeklärte Menschen alarmiert und dazu angespornt, offen dagegenzuhalten. Jetzt kommt es auch in Deutschland darauf an, dass alle, die mit dem Gebaren der Bundesregierung nicht einverstanden sind, auf vielen Wegen ihre Stimme erheben. Nur so kann man verhindern, dass in Deutschland die intellektuelle Isolation in ökonomischen Fragen dazu missbraucht wird, eine Legende nach dem Motto zu erzeugen, „der Rest der Welt da draußen will dem tüchtigen Deutschen nur etwas am Zeug flicken, weil er selbst nicht so tüchtig ist“.

Wir werden unseren Teil dazu ab 1. September wieder leisten und, falls es notwendig wird, auch dazwischen nicht schweigen. Bitte unterstützen Sie uns weiter und, falls Sie dazu in der rechten Stimmung sind und Muße haben, nutzen Sie die Zeit, um ein wenig rückwärts auf unserer Seite zu lesen oder zu hören, so dass wir Sie im September bei einem Punkt abholen können, wo wir uns noch besser verstehen.

Mit den besten Wünschen

Heiner Flassbeck und das Team von flassbeck-economics

 

Anmelden