Wie man den Druck im Kessel erhöht, Teil 2: Der Mindestlohn

Wenn uns schon die Arbeitsmarktdaten nicht den Gefallen tun, den prognostizierten Verlust von fast einer Million Arbeitsplätze aufgrund der Einführung eines Mindeststundenlohns von 8,50 Euro anzuzeigen, dann muss man halt die nächstbeste Gelegenheit nutzen, dieses schreckliche und antimarktwirtschaftliche Instrument aus der Welt zu schaffen. Und was böte sich da mehr an als die Flüchtlingskrise?

Der Sachverständigenrat hatte die Zahl der Stellen, die aufgrund der Einführung des Mindestlohns nicht geschaffen würden, in seinem jüngsten Jahresgutachten auf 100 000 Minijobs und 40 000 sozialversicherungspflichtige Stellen geschätzt. Und Christoph Schmidt, der Vorsitzende des Sachverständigenrats, hatte im November 2014 keinen Zweifel aufkommen lassen, dass die Mehrheit des Sachverständigenrates wesentlich Schlimmeres erwartete, als er forderte, „vorbereitet zu sein, wenn sich seine [des Mindestlohns; Anm. d. Verf.] Effekte so negativ materialisieren, wie einige von uns es befürchten. Dass man dann reagieren muss und ggf. eine Absenkung des Niveaus diskutieren muss oder eine Abschaffung. Man muss bereit sein darauf zu verzichten, wenn es sich deutlich zeigt.“

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn hatte im April 2014 den Verlust von Arbeitsplätzen durch die Einführung des Mindestlohns sogar auf bis zu 900 000 beziffert. Jetzt macht der Ökonom aus München in seiner Kolumne in der Wirtschaftswoche die boomende Wirtschaft für seine Fehleinschätzung verantwortlich: „Deutschland [befindet] sich derzeit im Boom … und [spürt] deshalb die Bremswirkungen des Mindestlohns nicht“. [...]

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