Aufgelesen bei Thomas Straubhaar: Der tiefere Grund für die tiefen Zinsen

Ein Leser weist mich auf einen Artikel von Professor Thomas Straubhaar, dem ehemaligen Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts HWWI, hin (danke dafür!), der sich beklagt, dass die Zentralbanken den Zins bei null halten und dadurch die Steuerung der Marktwirtschaft nahezu unmöglich machen (hier ist der Artikel zu finden). Dazu passt die gestrige Entscheidung der EZB, die auch weiterhin unkonventionelle Maßnahmen in Betracht ziehen will, um die deflationäre Tendenz in Europa zu überwinden. Professor Straubhaar meint dagegen, es sei doch kein Zustand, dass den Unternehmen dadurch jede Orientierung bei ihren Investitionen genommen würde, denn, so Straubhaar:

„Die Zeit der Nullzinswelt wird also vorerst weitergehen. Damit fehlt den Finanzmärkten auch in Zukunft der Kompass. Wenn Kapital nichts mehr kostet, verliert der Kapitalismus seinen Anker. Die Politik des billigen Geldes, der Kauf von Devisen oder langfristige Liquiditätskredite der Notenbanken haben Kreditmarkt und Kreditversorgung, also Kern und Wesen des Kapitalismus, ausser Kraft gesetzt.“

Und unter der Überschrift „Orientierungslose Notenbanken“ schreibt er dann weiter:

„Ein Nullzins erdet Finanztransaktionen nicht mit der realen Wirtschaft. Er spiegelt nicht mehr relative Knappheit, und er ist kein Massstab mehr, um damit Investitionsprojekte entsprechend ihrer realen Rentabilität zu vergleichen. [...]

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