Der ifo-Index zeigt schon wieder nach unten, aber ifo will es nicht glauben

Wenn man mit ruhigem Verstand die unten abgebildeten Kurven anschaut, kommt man zu dem Ergebnis, dass die deutsche Wirtschaft bestenfalls weiter im Stagnationsmodus fährt, so wie schon einige Jahre vorher. Seit 2011, das wissen wir ja auch von vielen anderen Indikatoren, gibt es nur noch eine Seitwärtsbewegung ohne Dynamik nach oben. Das Institut, das diese Reihe aus einer Umfrage zusammenstellt, hat damit aber ein gewaltiges Problem. Denn jetzt ist schon zum zweiten Mal hintereinander ein „Aufschwung“, den der Indikator angezeigt hat, nicht eingetreten.

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Man macht nämlich diese Umfragen und versucht daraus einen Frühindikator zu bauen, genau weil man sich erhofft, ein solcher Indikator werde mit seinen Wendepunkten nach oben (wie in den Jahren 2012 und 2014 zu beobachten) auch einen wirklich beginnenden Aufschwung vorhersagen und nicht bald wieder einknicken. Letzteres ist aber nun zum zweiten Mal passiert: Die blaue Linie, die halbwegs stetig verläuft und die aktuelle Geschäftslage beschreibt, zeigt wieder nach unten, während die orange Linie, die Geschäftserwartungen, seit 2014 erst gar nicht richtig nach oben gegangen ist und vor sich hin zappelt.

Das bedeutet entweder, dass man den ifo-Index als Indikator für konjunkturelle Wendepunkte getrost vergessen kann, was die Bedeutung des ifo-Instituts ganz ungeheuer schrumpfen lässt. Oder es bedeutet, dass es gar keine Aufschwünge mehr gibt. Die zweite Variante ist noch schlimmer für das ifo-Institut. Denn das bedeutet, dass es eine Fehlprognose nach der anderen abliefert, denn es glaubt ja sklavisch an seinen Index. Zudem liegt das Institut mit seinem ganzen Weltbild offensichtlich weit neben der Wirklichkeit. Die meisten Mitarbeiter und insbesondere der Präsident sind sich doch sicher, dass Deutschland in vorbildlicher Weise wirtschaftspolitisch alles getan hat, um einen investitionsgetragenen (also von der Angebotsseite kommenden) Aufschwung zu erleben. Kommt der wieder nicht, geht das an die Substanz der Glaubwürdigkeit. Schon jetzt (siehe unten) muss die schreckliche Entwicklung in der Weltwirtschaft herhalten, um zu erklären, was man nicht erklären kann. Wirtschaftspolitische Fehler in Deutschland können es ja „definitionsgemäß“ nicht gewesen sein.

Der Original-Kommentar von ifo zu diesen Ergebnissen windet sich dann auch dementsprechend um eine klare Aussage herum und greift am Ende tief in eine sehr verstaubte Argumentationskiste: „Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist von 108,5 Punkten im September auf 108,2 Punkte im Oktober gefallen. Die Unternehmen waren mit ihrer aktuellen Lage etwas weniger zufrieden als im September. Der Optimismus mit Blick auf die künftigen Geschäfte nahm jedoch weiter zu. Die deutsche Konjunktur zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig gegenüber den vielfältigen Herausforderungen des Herbstes.“(hier)

 

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