Der Staat, die Zentralbank und das frische Geld – bei wem steckt der Schwarze Peter?

Ein Beitrag von Dirk Ehnts mit einer Anmerkung von Friederike Spiecker

In dem Beitrag von Heiner Flassbeck vom 9. Oktober (hier) findet sich folgender Satz: „Es ist keine Frage, in einer solchen Situation muss der Staat viel frisches Geld (also gerade nicht umverteiltes Geld) an den Kapitalmärkten dieser Welt aufnehmen und in neue Projekte stecken, solche, die unmittelbar den Flüchtlingen helfen, aber auch solche, bei denen die Flüchtlinge mitarbeiten können, um selbst ein Einkommen zu verdienen.“ Ein Leser fragt dazu, inwieweit die Finanzierung des Staates über die Kapitalmärkte nicht auch (nur) eine Form der Umverteilung sei, denn es entstünde kein “frisches Geld”– Anleihen würden mit bereits emittiertem Geld gekauft werden. Zu dieser Frage möchte ich kurz Stellung nehmen.

Die Frage, was genau bei zusätzlichen Ausgaben des Staates passiert, hängt von den institutionellen Gegebenheiten ab und ist von Land zu Land verschieden. Allerdings sind die meisten Geldsysteme vom Aufbau her weitgehend identisch. Das Finanzministerium gibt Staatsanleihen heraus, diese werden an Banken verkauft, welche sich wiederum Geld von der Zentralbank geliehen haben. In einigen Systemen ist es so, dass die Zentralbank am Primärmarkt Staatsanleihen unbegrenzt ankaufen muss. Dies ist unter anderem in Kanada der Fall. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden