Archiv flassbeck-economics | 14.10.2015 (editiert am 25.05.2016)

Ein Land wie Tunesien

Am Wochenende war ich auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu einem Kurzaufenthalt in Tunis, um auf einem Seminar über das Verhältnis Europas zu Nordafrika von meinen eigenen Erfahrungen zu berichten. Selbst die wenigen Stunden, die ich hatte, um Ökonomen aus der Region zuzuhören und mit ihnen zu diskutieren, zeigten recht klar, woran es in vielen Fällen liegt, dass diese Länder einerseits nicht selbst in der Lage sind, eine Entwicklungsstrategie zu entwerfen, und andererseits auch kaum als ernsthafte Verhandlungspartner des Nordens auftreten können.

Die Probleme beginnen, wie übrigens meist auch bei uns, mit der Frage, welche makroökonomische Theorie für ein Entwicklungsland angemessen ist. Hier hat sich bei vielen durchaus auch kritischen Geistern die Überzeugung festgesetzt, man müsse weitgehend auf die Neoklassik zurückgreifen, weil die keynesianischen Bausteine auf Entwicklungsprobleme nicht passen.

Es gibt sogar Lehrbücher über Entwicklungstheorie, wo explizit drinsteht, man unterstelle die Gültigkeit von Say’s Law (also des Satzes, das Angebot schafft sich sein eigene Nachfrage), weil die Entwicklungsländer ja kein Nachfrage-, sondern ein Angebotsproblem hätten. Das ist grandioser Unsinn, den ich hier allerdings nicht weiter kommentieren will. Der einfache, aber falsche Gedanke, der Staat habe gerade in Entwicklungsländern keinen Spielraum, etwas für die wirtschaftliche Entwicklung zu tun, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden