In Gedenken an Professor Kazimierz Laski

Mein Freund und langjähriger Kollege Kazimierz Laski ist am 20. Oktober im Alter von fast 94 Jahren nach kurzer Krankheit in Wien gestorben. Als ich Ende Juni dieses Jahres an der Wiener Universität auf Einladung der Studentenschaft geredet habe, war er noch da, saß in der ersten Reihe und war voller Enthusiasmus wie immer und auch noch voller Tatendrang. Er verblüffte die Studenten, mit denen wir nach dem Vortrag in ein Lokal gingen, mit seiner Präsenz und seiner Originalität.

Laski war der Makroökonom schlechthin. Als Schüler (man sagt, er war der letzte Schüler) von Michal Kalecki war er sein ganzes Forscherleben lang einer strengen und absolut konsistenten gesamtwirtschaftlichen Logik verpflichtet. Als ich Ende der achtziger Jahre in einem Artikel gesamtwirtschaftliche Angebots- und Nachfragekurven zeichnete, um zu demonstrieren, wo sich die Neoklassik in ihrem eigenen Modell irrt, kritisierte er mich heftig, weil ich getan hatte, was man nicht tun darf, nämlich ein Modell auch nur zu kommentieren, das es nicht geben kann. Und er hatte Recht. Es gibt in gesamtwirtschaftlicher Sicht keine getrennten und unabhängigen Nachfrage- und Angebotskurven und deswegen sollte man diese Fiktion grundsätzlich nicht benutzen.

Laski war sein ganzes Forscherleben lang fest davon überzeugt, dass der Staat Vollbeschäftigung herstellen kann und sollte. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden