Vollgeld? Voll daneben – wir führen die falsche Debatte

Mit einer Anmerkung von Heiner Flassbeck

In der Schweiz gibt es zur Konstruktion des Geldsystems derzeit eine Initiative, die in einer Volksbefragung enden soll. Aber auch in vielen anderen Ländern gibt es eine heftige Debatte um das Geldsystem. Da steht die Welt aber in mancher Hinsicht auf dem Kopf. Wir brauchen nicht in erster Linie ein besseres Geldsystem, um die Realwirtschaft zu retten, sondern umgekehrt: Die einseitige Verteilung des Einkommens und des Vermögens destabilisiert das Finanzsystem.

Die aktuelle wirtschaftspolitische Debatte dreht sich fast ausschliesslich um das Geldsystem. Das erstaunt zunächst nicht. Schliesslich war es der Beinahe-Kollaps des Finanzsystems, der ab 2008 eine große und immer noch nicht überwundene Rezession ausgelöst hat. Und nach einer kurzen Phase der keynesianischen Ankurbelung scheint heute die Geldpolitik der letzte Strohhalm zu sein, an dem sich die Konjunkturhoffnungen festklammern. Mario Draghi soll es bitte richten. Ben Bernanke und Janet Yellen haben es schon getan.

Doch die gewaltige Ausdehnung der Geldmenge hat auch jede Menge Kritiker auf den Plan gerufen und deshalb haben wir jetzt eine epische Diskussion über Sinn und Zweck der „Geldschöpfung“. Wie emotional und oberflächlich die Debatte geführt wird, zeigt sich schon an den verwendeten Schlagwörtern, wie Geldschöpfung aus dem Nichts, [...]

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