Aus gegebenem Anlass: Saldenmechanik ist nur der Anfang, weiterdenken ist unumgänglich

Einige Leser haben mich darauf hingewiesen, dass Fabian Lindner im Zeitblog „Herdentrieb“ folgendes geschrieben hat:

„Was allerdings Stützel ziemlich explizit schreibt: Es ist eher wenig plausibel, dass der Lohnstückkostenanstieg (LSK) eines Landes die Ursache dafür sein kann, dass es Leistungsbilanzdefizite hat. Das aber vertritt ziemlich vehement Stützels ehemaliger Mitarbeiter Flassbeck – gegen die Position seines ehemaligen Chefs.“

Für diejenigen, die die Zusammenhänge nicht so genau kennen: Er meint Professor Wolfgang Stützel, meinen ehemaligen Chef an der Universität des Saarlandes (allerdings nur ein paar Monate), der das Buch „Volkswirtschaftliche Saldenmechanik“ schrieb und heute von einigen als Guru eines neuen volkswirtschaftlichen Denkens betrachtet wird.

Ich habe es schon oft gesagt (hier zum Beispiel), sage es aber gerne noch einmal: Saldenmechanik besteht aus Identitäten, man muss sie beherrschen, aber sie hilft nur ganz zu Anfang beim Verstehen der entscheidenden volkswirtschaftlichen Zusammenhänge. Sie ist kein Theorieersatz. Das genau aber ist ein Anschein, der von vielen und manchmal leider auch bei Stützel erweckt wird (und das schon mit dem Untertitel des Saldenmechanik-Buches, der „Ein Beitrag zur Geldtheorie“ heißt).

Für die Problematik Identität versus Theorie ist Stützels „Erklärung“ von Leistungsbilanzsalden, die er Mikroabsoptionstheorie nannte, ein gutes Beispiel. Ich will das hier nicht im einzelnen ausführen, aber diese „Theorie“, die in der Tat darauf hinausläuft, den Preisen keine Bedeutung bei der Entstehung von Salden zuzuweisen, ist, wie ich schon in meinem Buch „Preise, Zins und Wechselkurs“ (immer noch bei Mohr/Siebeck in Tübingen erhältlich) im Jahre 1987 gezeigt habe, mehr als fragwürdig, ja inkonsistent.

Also, lieber Fabian Lindner, das sollten Sie mal in Ruhe lesen und dann ein Argument bringen statt einer leeren Aussage, die sich nur auf eine „Autorität“ stützt. Übrigens, wie das Beispiel von 1987 zeigt, es war mir schon in jungen Jahren ziemlich egal, wer was behauptet hat, ich habe mich immer nur mit Argumenten auseinandergesetzt. Heute interessiert mich das naturgemäß (in meinem Alter!) überhaupt nicht mehr.

 

 

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