Brasilien oder warum weltweit die Sozialdemokraten systematisch scheitern

Die brasilianische Regierung unter Präsidentin Dilma Rousseff sieht sich der schlechtesten wirtschaftlichen Lage seit vielen Jahrzehnten gegenüber. Einige Prognosen sagen für dieses Jahr einen Rückgang des BIP um sage und schreibe drei Prozent voraus. Die Regierung spart, um das Haushaltsdefizit zu begrenzen, und macht die Sache noch schlimmer.

Unmittelbarer Anlass für die Rezession sind sicherlich sinkende Exporte nach China und andere asiatische Länder, aber die Tatsache, dass ein solcher regionaler Schock ein so großes Land wie Brasilien sofort aus der Fahrrinne wirft, lässt auf viel tiefere Gründe für die wirtschaftliche Fragilität schließen.

Diese Gründe sind für jeden, der sich einen halbwegs klaren Verstand bewahrt hat, offensichtlich. Die sozialdemokratische Fehlkonstruktion begann, wie immer in solchen Fällen, unmittelbar nach dem historischen Wahlsieg von Präsident Lula da Silva im Jahr 2002. Im Wahlkampf hatte man wunderbare Ideen über alternative Wege in der Wirtschafts- und Sozialpolitik artikuliert und manch einer träumte von einem Modell Brasilien, das der Welt zeigen werde, wie man wirtschaftlichen Erfolg mit einem Kampf gegen die Ungleichheit verbindet.

Doch die Wirklichkeit schon der ersten Monate sah anders aus. Lula entschied sich aus Angst vor den Kapitalmärkten (also einer Abwertung der Währung oder einer Erhöhung der Zinsen) dafür, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden