Archiv | 17.11.2015 (editiert am 25.05.2016)

Europa und das Menschenrecht auf Arbeit – Teil II

Kritik neoliberaler Prämissen

Die Marktwirtschaft ist für Neoliberale ein normatives Ideal, dem die Realität anzugleichen ist. Sie fordern daher die Privatisierung öffentlicher Leistungen, die Liberalisierung des Handels, den Abbau aller die Marktprozesse behindernden staatlichen Regeln, die Reduktion von Steuern, den Abbau des Wohlfahrtsstaates und die Intensivierung des Wettbewerbs auf allen Ebenen.

Diesen Vorschlägen neoliberaler Vordenker ist die Politik in Europa über die letzten dreißig Jahre in erstaunlichem Umfang nachgekommen. Politiker, die diesen Prozess vorangetrieben haben, haben alles Recht, sich zu rühmen, dass ihnen mit der institutionellen Ausgestaltung der EU und des Euro die Verwirklichung des Freiheitsideals von Neoliberalen in sehr großem Umfang gelungen ist Aber sind die neoliberalen Wirtschaftstheorien, die die institutionelle Ausgestaltung von EU und Eurozone ganz wesentlich bestimmt, auch theoretisch und empirisch befriedigend?

Leon Walras und Gérard Debreu ist es zweifelsohne gelungen, mit den Mitteln der Mathematik zu präzisieren, was ein effizientes, aber vollkommen statisches Wirtschaftssystem ist und zu beweisen, dass ein solches Wirtschaftssystem denkmöglich ist. Wie jeder mathematische Beweis beruht auch diese Beweisführung auf Axiomen und um uns etwas über die Wirklichkeit zu sagen, muss man diese Axiome inhaltlich interpretieren.

Von besonderer Relevanz ist dabei die erkenntnistheoretische Annahme, [...]

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