Kilkenomics – mit jokes zum sechsten Mal der Wahrheit auf den Fersen

Ich hatte das Vergnügen (und es ist wirklich ein Vergnügen!!!), das Wochenende in Kilkenny, Irland, verbringen zu dürfen, als „contributor“ auf einem Festival, das Ökonomen und Kabarettisten (comedians) zusammenbringt und darauf setzt, dass Menschen, die lachen, besonders aufnahmebereit auch für komplexe und manchmal unangenehme Botschaften sind (hier ist die home page für die Ankündigung von Kilkenomics 2015, sobald das jetzige Meeting in Ausschnitten verfügbar ist, werde ich einen Hinweis darauf machen).

Ich war zum zweiten Mal dort (als einziger Deutscher diesmal und, wie man mir versicherte, als der einzige Deutsche, der zum zweiten Mal eingeladen wurde) und verglichen mit von vor drei Jahren ist das Festival noch lauter geworden, noch drängender und aktueller – und die Publikumsresonanz ist enorm.

Ein Highlight, an dem ich teilnahm, war eine Gerichtsverhandlung, bei der die Volkswirtschaftslehre vor Gericht stand (economics on trial) und Volkswirte von irischen comedians als Richter und Staatsanwälte aufgefordert wurden, Zeugnis abzulegen zum Versagen ihrer Disziplin. Die Leichtigkeit, mit der das abläuft und der irische Humor, der dabei voll zur Geltung kommt, macht aus diesem Festival wirklich etwas ganz Besonderes. Im vergangenen Jahr schrieb Simon Kuper von der Financial Times dazu: „Ich war auf vielen Festivals und Konferenzen, aber Kilkenomics ist vermutlich das beste. Mehr noch, es fühlte sich an wie Demokratie.“

Zwei meiner vier Sessions behandelten Flüchtlingsfragen (eine andere widmete sich dem Brexit und Irlands Reaktion darauf) und es ist erstaunlich, wie es gelingt, auch ein so ernstes Thema so unterhaltsam zu behandeln. In dieser einmalig lockeren Atmosphäre können Zusammenhänge und Informationen von den contributors vermittelt werden, ohne dass es jemals oberlehrerhaft wirkt. Der Grund ist vermutlich, dass jeder, der sich auf die Bühne begibt, weiß, dass er jederzeit von den comedians mit beißendem Spott und grandiosem Klamauk überzogen werden kann. Wer nicht bereit ist, sich selbst auf die Schippe zu nehmen, läuft einfach Gefahr, uralt auszusehen und extrem langweilig rüberzukommen, ganz gleich, was er inhaltlich zu sagen hat.

Vermutlich kann man eine solche Mischung von Humor und ernstem Inhalt nur in einem so humorvollen Land wie Irland realisieren. Das Publikum ist phantastisch und die Spielorte (meist sehr intime Theater, die man in Kilkenny in Hotels und Pubs findet) tragen dazu bei, dass der Funke ganz leicht vom Publikum zu den Akteuren auf den sehr kleinen Bühnen und zurück springt.

Wer gut Englisch versteht und Interesse an einer einmaligen Veranstaltung hat, sollte sich frühzeitig über Kilkenomics 2016 informieren. Vielleicht werde ich ja auch noch ein drittes Mal eingeladen.

 

 

 

 

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