US-Konjunktur im dritten Quartal: lauwarm und nur wenig verheißungsvoll

Letzte Woche erschien die Vorabschätzung für das Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal. Danach ist die US-Wirtschaft im Sommer gegenüber dem Vorquartal mit einer Jahresrate von 1,4 Prozent gewachsen. Das entsprach auch in etwa den schwachen Erwartungen.

Die Verlangsamung des Wachstums im Sommer im Vergleich zum Wachstum in Frühjahr, das nach der Revision mit 3,9 Prozent dann doch recht stark ausgefallen war, fand auf breiter Front statt. Allein der private Konsum wuchs mit 3,2 Prozent Jahresrate noch recht kräftig, wobei erneut die Ausgaben für dauerhafte Konsumgüter, darunter Kraftfahrzeuge, deutlich zulegten. Bei den privaten Investitionen kam es dagegen zu einem starken Einbruch, und zwar insbesondere im Wirtschaftsbau. Doch auch die Investitionen in intellektuelle Eigentumsprodukte schwächten sich auf unter zwei Prozent ab. Die Ausrüstungsinvestitionen dagegen legten nach drei sehr schwachen Quartalen im Sommer mit gut fünf Prozent zu. Auch im Wohnungsbau ging es mit einer Jahresrate von immerhin gut sechs Prozent voran, was allerdings einer deutlichen Abschwächung im Vergleich zu den Quartalen zuvor entsprach. Der Außenhandel bewegt sich kaum. Sowohl Exporte als auch Importe wuchsen im Sommer nur mit einer Jahresrate von knapp unter zwei Prozent. Ebenfalls mit knapp zwei Prozent legten auch die Staatsausgaben zu, was in diesem Fall, nach von Haushaltskürzungen geprägten Jahren, jedoch einer erfreulichen Entwicklung entspricht, die erneut von den Bundesstaaten und Kommunen getragen wurde. Die Ausgaben der Bundesregierung stagnierten insgesamt.

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung ab 2013 bis zum konjunkturellen Rand ausgedrückt in Wachstumsbeiträgen, sie zeigt also welche BIP-Komponenten jeweils wie viel zum Wachstum beigesteuert haben. Wie gewöhnlich, war der private Konsum auch im Sommerquartal mit 2,2 Prozentpunkten die wichtigste Anschubkraft des BIP-Wachstums. Die Bruttoanlageinvestitionen und Staatsausgaben leisteten ebenfalls positive Beiträge, wenngleich niedrigere als im Quartal zuvor, während die Nettoexporte einen neutralen Einfluss hatten. Deutliche Wachstumsbremse waren dann dagegen die Lagerinvestitionen, genauer gesagt der Lagerabbau, wobei es sich hier auch zum Teil um eine verzögerte Gegenbewegung zum Winterquartal gehandelt haben mag, als die Lagerinvestitionen noch einen beträchtlichen positiven Wachstumsbeitrag geliefert hatten.

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Abbildung 2 zeigt das Konjunkturbild, wie es in Europa gebräuchlicher ist, ausgedrückt in Wachstumsraten gegenüber dem Vorjahresquartal. Gut erkennbar ist die leichte Beschleunigung des BIP Wachstums seit 2013 von knapp unter auf knapp über zwei Prozent, die in erster Linie von der Beschleunigung der privaten Konsumausgaben sowie einer besseren Investitionskonjunktur getragen war. Diese beiden BIP-Komponenten haben sich zuletzt aber wieder verlangsamt, insbesondere die Investitionen, während der Export nahezu stagniert. Sehr augenfällig ist hier aber auch die Wende zum Positiven bei den Staatsausgaben, wenngleich die Wachstumsrate weiterhin sehr niedrig bleibt, aber zumindest nicht mehr negativ ist.

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Dass die US-Fiskalpolitik keine Wachstumsbremse mehr ist, sondern wieder leicht zum Wachstum beisteuert, wird auch vom „Fiscal Impact Measure“ des Brookings Institutes zum Ausdruck gebracht. Dieser Indikator zeigt an, wie stark die U.S. Konjunktur nach der Rezession der frühen 2000er von der Fiskalpolitik der Bush-Administration und dann erneut vom Stimulus der Obama-Administration nach der Großen Rezession unterstützt worden ist. Sie zeigt auch die Wirkung der Sparpolitik der Jahre danach an. Zuletzt allerdings gibt es die leichte Kurswende. Ich wies hierzu im letzten Beitrag auch auf die jüngsten Entwicklungen in den Haushaltsverhandlungen hin, die auch für das nächste und übernächste Jahr auf leichte positive fiskalische Impulse hoffen lassen.

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Positive Impulse sucht Amerikas Wirtschaft auch weiterhin dringend. Die jüngsten Konjunkturmeldungen etwa zur Industrieproduktion, Bestellungen für Kapitalgüter, Konsumentenvertrauen und persönlichen Ausgaben deuten wohl eher eine Verschlechterung an. Man wartet jetzt gespannt auf den Arbeitsmarktbericht zum Oktober. Und mit ganz besonderer Spannung wartet man natürlich auf die Zinsentscheidung der Federal Reserve im Dezember. Wird sie dann tatsächlich endlich den ersten Zinsschritt machen, auf den man nunmehr schon seit über einem Jahr wartet, an den die Finanzmärkte aber immer noch nicht so recht glauben wollen? Manche Beobachter meinen dazu zwar, die amerikanische Wirtschaft hätte heute fast Vollbeschäftigung erreicht – womit sich allerdings das Rätsel stellt, warum die Löhne weiterhin nur mit mageren zwei Prozent zulegen. Da kommt beim Arbeitnehmer und Durchschnitts-Konsumenten nicht wirklich Euphorie auf, die es nach wie vor allein auf den US-Aktienmärkten gibt, die allerdings nur die Reichen und Super-Reichen erfreuen.

Für das letzte Quartal deutet sich meines Erachtens im Moment bestenfalls ein Wachstum von zwei Prozent an. Trotzdem bleibt Amerika laut Medienberichten die vermeintliche Konjunkturlokomotive der Weltwirtschaft und soll dabei auch noch den Anstieg des Dollars munter wegstecken, den Mario Draghi und Co. im Land des laut deutscher Prophezeiung stabilen Euros mit neuen geldpolitischen Maßnahmen weiter anfeuern wollen. Nur zu, ihr verzweifelten Währungskrieger, nur wird das ganze Unterfangen weiter nur auf hölzernen Beinen daher stolpern und eine solide Basis vermissen lassen, solange man weder bei den Löhnen noch den Staatsausgaben den Weg zur Normalität wiederfindet. Noch ist nicht sicher, dass man mancherorts wirklich langsam zu erkennen beginnt, wie sehr man sich im Wahn des öffentlichen Sparens und allgemeinen Lohndrückens zwecks Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit wirtschaftspolitisch in die neoliberale Sackgasse verrannt hat, die letztlich nur in die globale Deflation führen kann. Zinsen und Spritpreise können dabei vielleicht „ins Bodenlose sinken“, wie man hoffnungsvoll daher sagt und dabei an Konjunkturwunder glaubt, aber wie weit denn dann noch? Der amerikanische Konsument, ich bin ja mittlerweile auch einer, ob repräsentativ oder nicht, kann das wohl kaum alles alleine richten und allein auf Pump schon gar nicht.

 

 

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