Archiv flassbeck-economics | 03.12.2015 (editiert am 25.05.2016)

Europa und das Menschenrecht auf Arbeit – Teil IV

Ich habe im dritten Teil gefragt, warum der Staat nicht die Möglichkeit haben sollte, sich direkt bei der Zentralbank zu refinanzieren. Die Antworten darauf sind in der Regel nicht überzeugend. Auch jemand wie Bundesbankpräsident Jens Weidmann bestreitet nicht, dass einem Staat diese Möglichkeit der „Refinanzierung“ seiner Ausgaben prinzipiell offen steht. Er behauptet aber, dass wenn man das dem Staat erlaube, Inflation oder gar Hyperinflation und damit schwere Schäden oder der Zusammenbruch einer Volkswirtschaft die Folge ist. Zur Begründung dieser Behauptung zitiert er aus Goethes Faust wie folgt:

„Ein solch Papier, an Gold und Perlen statt, ist so bequem, man weiß doch was man hat; Man braucht nicht erst zu markten, noch zu tauschen, kann sich nach Lust in Lieb und Wein berauschen“[1]

Goethe hält also die staatliche Geldschöpfung für problematisch, weil der Staat, anders als Private, nicht zuerst eine Leistung erbracht haben muss, damit er überhaupt Geld in seinen Händen halten kann. Anders als alle anderen kann er, nachdem er den Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, konsumieren ohne vorher produziert zu haben. Das ist das Problem der „Refinanzierung“ staatlicher Ausgaben durch eine Zentralbank. So geschaffenes und verwendetes Geld repräsentiert keine nicht-monetären Werte. [...]

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