Archiv flassbeck-economics | 14.12.2015 (editiert am 25.05.2016)

Ist die Welt nun gerettet?

Ich bezweifle es. Die Erklärung des Pariser Gipfels vom Samstag ist sicher ein Fortschritt. Ich kann auch gut nachvollziehen, dass die Abschlusserklärung von den Diplomaten und Politikern, die viele Tage darum ernsthaft und sicher auch mit großer Leidenschaft gerungen haben, als ein großer Schritt für die Menschheit betrachtet wird. Es ist an sich ja schon eine große Leistung, einen gehaltvollen Text zustande zu bringen, auf den sich 196 souveräne Nationen einigen können. Ich habe selbst von Seiten des Sekretariats der Vereinten Nationen an solchen Erklärungen mitgeschrieben und man tendiert in der Tat dazu, die Bedeutung eines solchen Textes, ist er nach langen und nervenaufreibenden Verhandlungen akzeptiert, in grandioser Weise zu überschätzen.

Liest man die 29 Artikel (hier in Englisch) mit einem gewissen räumlichen Abstand, ist die Begeisterung weniger groß. Der Text ist sehr allgemein gehalten und er konzentriert sich auf die anzustrebenden Ziele, nicht aber auf das Wichtige, nämlich die Mittel, die global zum Einsatz kommen sollen, um die Ziele zu erreichen. Ziele festzulegen, ohne über Mittel zu sprechen, ist für eine relativ lose Staatengemeinschaft, wie es die Vereinten Nationen nun mal sind, sicher ein angemessener Ausgangspunkt. Soll aber effektiv etwas erreicht werden, reicht die Einigung über Ziele niemals aus. Man kann das an den sogenannten Milleniumszielen sehr gut nachverfolgen, die in den Vereinten Nationen über viele Jahre das Topthema waren, in der praktischen Politik der Mitgliedsländer aber praktisch keine Rolle gespielt und das breite Publikum nie erreicht haben.

So wird es hier vermutlich auch kommen. Ich habe am vergangenen Freitag in meinem Artikel zum Klimawandel gezeigt, dass es eine Illusion ist zu glauben, man könne eine Verdrängung fossiler Brennstoffe erwarten, ohne dass es eine lang anhaltende und für die Investoren gesicherte relative Verteuerung von Kohle und Öl im Vergleich zu erneuerbaren Energieträgern gibt. Bei einem Ölpreis von unter 40 Dollar pro Barrel liegt der reale Ölpreis (also der um die Inflationsrate der westlichen Industrieländer deflationierte Ölpreis) fast so niedrig wie zu Anfang der siebziger Jahre, also vor den sogenannten Ölpreisexplosionen. In einer Welt, in der Rohstoffpreise und vor allem der Ölpreis von den Finanzmärkten getrieben wird, wo die Ölproduzenten bei geringeren Preisen dazu tendieren, mehr zu produzieren, weil sie sonst ihre Staatshaushalte nicht finanzieren können und wo Kohle und Gas in sehr großen Mengen zu sehr günstigen Preisen zur Verfügung stehen, reichen Absichtserklärungen von Regierungen einfach nicht aus.

Wäre Paris eine substantielle Wende gewesen, hätten sich die Anbieter von Kohle und Öl dazu verpflichten müssen, von nun an kontinuierlich weniger der fossilen Stoffe zu fördern, damit es zu einem nicht mehr reversiblen Anstieg der Preise kommt und alle Verbraucher gezwungen sind, sich sofort und vorausschauend anzupassen. Zu glauben, man könne die fossilen Energieträger im bisherigen Tempo aus der Erde holen, ihre Preise dem Markt überlassen und die Regierungen würden in der ganzen Welt stark genug sein, um gegen den Anreiz, die billigen fossilen Energieträger zu nutzen, deren Verwendung zurückzudrängen, ist eine phantastische Idee. Mit der Wirklichkeit hat sie nichts zu tun.

Alle Regierungen, die bei den regelmäßigen Überprüfungen des Einsparungsfortschritts als Klimasünder gebrandmarkt werden, werden genau das einwenden. Sie werden sagen, dass sie nicht stark genug waren, sich gegen die globalen Kräfte des Marktes für fossile Energie zu stemmen. Und sie werden auch sagen, dass sie das genau so lange nicht können, so lange nicht alle Länder das untereinander abgestimmt und in gleicher Weise tun. Und man wird in den Pariser Vertrag schauen uns sehen, dass er nichts enthält, was ein solches gleichgerichtetes Handel erzwingen oder auch nur fördern würde.

 

 

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