Archiv flassbeck-economics | 16.12.2015 (editiert am 25.05.2016)

Professor Seltsam oder wie ich lernte, die Krise zu lieben

Professor Dr. Hans-Werner Sinn hat erneut ein Buch über den Euro geschrieben („Der Euro. Von der Friedensidee zum Zankapfel“, Hanser Verlag). Es beschreibt sozusagen seine finale Sicht auf ein europäisches Reformprojekt. Dass Professor Sinn dabei in tiefes Wasser und in große Erklärungsnöte gerät, verwundert nicht. Wir greifen einige Stellen heraus, sozusagen unsere finale Sicht auf Professor Sinn, der ja demnächst in Rente geht.

Hans-Werner Sinn hat vor einiger Zeit in der Süddeutschen Zeitung die Aufgabe von Volkswirten folgendermaßen beschrieben. (hier): „Wie Spürhunde suchen Volkswirte die Wirtschaft nach Marktfehlern ab und überlegen, wie man diese Fehler durch kluge Staatseingriffe korrigieren kann“. Volkswirte eignen sich nach seiner Meinung genau dann als Spürhunde, wenn sie als „Analyserahmen“ die „neoklassische Theorie“ wählen. Denn er ist überzeugt, dass diese Theorie die Bedingungen identifiziert hat, die erfüllt sein müssen, damit eine Wirtschaftsordnung „effizient“ ist. Marktfehler sind in seiner Sichtweise nicht etwa Fehler des Marktes, sondern es sind alle Tatsachen, die mit den Annahmen und logischen Ableitungen der neoklassischen Wirtschaftstheorie nicht vereinbar sind.

Hat der Volkswirt den normativen Vorgaben der neoklassischen Theorie widersprechende Tatsachen identifiziert, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden