Schon wieder ein neuer Finanzminister, diesmal Brasilien

In Sachen neue Finanzminister in Schwellenländern kommt man kaum hinterher mit dem Kommentieren. Nach der doppelten Rochade in Südafrika ist es jetzt wieder Brasilien, das für Schlagzeilen sorgt. Ich hatte im Herbst (hier) darauf verwiesen, dass der zu Beginn des Jahres in Brasilien eingestellte Finanzminister ein Extrem-Konservativer aus der Chicago-Schule war, für den die zentrale Aufgabe des Finanzministers das Sparen und nichts als das Sparen ist.

Der hat nun am Wochenende aufgegeben und ist zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger wurde Nelson Barbosa ernannt. Den kenne ich wirklich sehr gut und der ist im Prinzip genau der richtige Mann für den Job. Nelson Barbosa war schon einige Jahre stellvertretende Finanzminister und zuletzt Planungsminister. Er ist ein sehr guter und aufgeklärter Ökonom, der, wenn man ihm den Raum gibt, die Geschicke Brasiliens in eine vernünftige Richtung lenken könnte. Er hat internationale Erfahrung, kennt die entscheidenden Zusammenhänge und ist, so weit ich es sehe, sei vielen Jahren einer der wichtigsten Vordenker der Partei in makroökonomischen Fragen.

Dass einer konservativen Zeitung wie der NZZ (hier) dazu nur der dümmliche Kommentar einfällt, mit Barbosa komme „ein Verfechter des staatlich getriebenen Wachstums, das Brasiliens Regierung in der Vergangenheit verfolgt hat“, an diese entscheidende Stelle, muss nicht verwundern. Ja, liebe NZZ, so ist das. In den USA, um einmal ein Beispiel zu nennen, sind lauter „Vertreter des staatlich getriebenen Wachstums“ am Ruder, wie man am jüngsten extrem vorsichtigen Zinsentscheid des Federal Reserve Systems ablesen kann und an der Tatsache, dass dort die staatlichen Defizite in der Rezession von 2008/2009 sehr viel höher als in Europa waren. Dort wurden auch, anders als in der Schweiz, die größten Banken für ihr Fehlverhalten vor der Krise vom Staat hart bestraft. In Europa, insbesondere im Euroraum, dagegen herrschen die strengen Vertreter des allein vom Markt getriebenen Wachstums. Die Unterschiede sind, siehe das erste unten stehende Schaubild, schon beeindruckend.

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Man kann auch auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit schauen, siehe das zweite Bild unten, da erkennt man auch sehr schön, wie groß die Erfolge der reinem Marktlehre in der europäischen Währungsunion sind. Ich vermute, anders als die NZZ, kann Nelson Barbosa das sehr gut einordnen.

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