Archiv | 29.01.2016

Auch du, mein Bruder Joseph – Aufgelesen bei Joe Stiglitz

Joe Stiglitz war anlässlich des Davoser Forums auf Europareise. Dabei gab er einige Interviews zur Eurokrise. Ein Leser hat uns darauf hingewiesen, dass er in einem Interview mit den Schweizer Tagesanzeiger auf die Frage, ob Griechenland ohne den Euro besser dran wäre, folgendes sagte:

„Ja. Die griechische Währung war nicht überbewertet, als das Land dem Euro beitrat. Der Euro hat das Problem der Überbewertung erst geschaffen. Es floss Geld ins Land, dann kam es zur Inflation, die das Land nicht mehr kontrollieren konnte, und so kam es zu einer real überbewerteten Währung und zu den bekannten Problemen.“

Es musste also erst „Geld fließen“, dann konnte es zur Inflation kommen. Das ist eine starke Behauptung, über die sich Hans-Werner Sinn freuen wird, behauptet er doch immer, dass es die Kapitalzuflüsse gewesen seien, die in den Krisenländern dafür gesorgt haben, dass die Preise zu stark gestiegen sind.

Genau das von einem zu hören, den man üblicherweise den Keynesianern zuordnet, ist schon erstaunlich. Es belegt aber, was ich schon seit sehr langer Zeit behaupte: Der Großteil der Keynesianer hat nicht verstanden, dass die keynesianische Spar-Investitionslogik (wonach die Investitionen dem Sparen vorausgehen und nicht umgekehrt) auch in außenwirtschaftlichen Beziehungen, also bei der Erklärung des Sparens der gesamten Volkswirtschaft (also bei der Erklärung von Leistungsbilanzsalden) gilt. Auch hier läuft nicht das Sparen (der Kapitalabfluss ins Ausland) dem Investieren (also der Verwendung des Kapitals im Ausland zum Kauf von Gütern oder für Investition) voraus, sondern es ist umgekehrt: Der Kapitalbilanzsaldo folgt dem Güter- und Dienstleistungssaldo (Friederike Spiecker und ich haben das hier im Detail erklärt).

Darüber hinaus ist natürlich auch jenseits der Zahlungsbilanzlogik die Vorstellung, es müsse „Geld“ von einem Land zum anderen fließen, damit ein Land eine etwas höhere Inflation in einer Währungsunion haben könne, mehr als abenteuerlich. Jedes Land in der Europäischen Währungsunion hatte „Geld“ genug, um stärker zu wachsen als andere oder um mehr Inflation zu produzieren. Die Banken jedes Landes waren einfach in der Lage, so viel Geld zu kreieren, wie von der Realwirtschaft nachgefragt wurde. Die monetaristische Geldmengenlehre, wir haben das schon unendlich oft gesagt, ist eine Fiktion. Importierter Monetarismus, also eine von außen zufließende Geldmenge, die man bräuchte, um 2,8 Prozent Inflation zu haben (das war in etwa die griechische Inflation in den ersten zehn Jahren der EWU), ist mehr als eine Fiktion, es ist einfach Unsinn.

 

 

 

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