Draußen vor der Tür: Bankenrettung 2.0

Die Deutsche Bank hatte als Reaktion auf ihre anhaltenden Verluste am 18.Oktober des letzten Jahres in einer ad-hoc Mitteilung eine grundlegende organisatorische und personelle Neuordnung verkündet. Der Aktienmarkt scheint aber wenig Vertrauen zu haben, dass mit diesen Maßnahmen die Deutsche Bank wieder auf die Erfolgsspur zurückfinden kann. Der Schlusskurs der Deutschen Bank Aktie wurde am 20.Oktober letzten Jahres mit 26,52 Euro notiert, vergangenen Freitag fiel er auf unter 20 Euro.

Obwohl Börsenkurse und deren Entwicklung oft nur sehr wenig über die wirklichen Erfolgsaussichten eines Unternehmens aussagen, ist der Absturz des Kurses der Aktien der Deutschen Bank Ausdruck der Tatsache, dass die Deutsche Bank mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, die mit personellen und organisatorischen Maßnahmen nicht zu überwinden sind. Zu befürchten ist vielmehr, dass der Bestand der Deutschen Bank und von anderen Banken, die ein vergleichbares Geschäftsmodell verfolgen, am Ende wieder alleine durch staatliche Hilfe gesichert werden kann.

Das ist an sich schon ein Horrorszenario, aber es ist zudem zu erwarten, dass die mit solchen Rettungsaktionen verbundene Erhöhung der Staatsschuldenquote als sicheres Zeichen dafür gewertet werden wird, dass der Staat wieder einmal über seine Verhältnisse gelebt hat. Das wird sicher erneut zu einem weiteren Druck auf den Sozialstaat und für „Agenden“ die Rechtfertigung liefern, unter denen die schwächsten der Gesellschaft zu leiden haben. Die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Deutschen Bank zu verstehen, hat daher eminent politische Bedeutung.

Wie ich an anderer Stelle ausführlich dargestellt habe, ist es von den Staaten weltweit – trotz der für alle sichtbaren wirtschaftlichen und sozialen Kollertalschäden des Finanzcrashs von 2007/2008 – unterlassen worden, den Finanzbereich so zu regulieren, dass dem Spiel der Privatisierung von Gewinnen und der Sozialisierung von Verlusten ein Ende bereitet wird. Das wirtschaftliche Desaster der Deutschen Bank ist daher ein sichtbares Zeichen eines desaströsen Versagens der Politik und der Medien, die diesen Missstand durch ihre neoliberale Brille ganz offensichtlich nicht erkennen können.

Eine Analyse der Aktivitäten der Deutschen Bank zeigt, dass ihr der Handel mit Wertpapieren in ihrem Geschäftsmodell doppelt so wichtig ist wie das Kreditgeschäft. Wertpapiere aber schwanken in ihrem Wert, wie z.B. gerade jetzt das Auf und Ab der Börsenkurse zeigt, oft ganz erheblich. Auch ist in der heutigen globalen Krise ein richtiger Absturz der Börsen nicht ausgeschlossen. Das Eigenkapital der Deutschen Bank dürfte aber bei Wertverlusten in der Größenordnung von zehn Prozent völlig aufgezehrt werden. Tritt dieser Fall ein, dann wird der Staat gezwungen sein, die Deutsche Bank vor dem Konkurs zu schützen, da ansonsten mit einem Zusammenbruch des gesamten Zahlungsverkehrs zu rechnen ist.

Vor diesem Hintergrund haben viele Bankenexperten als Reaktion auf den Finanzcrash von 2007/2008 verlangt, das Einlage- und Kreditgeschäft der Banken vom Geschäft mit Wertpapieren zu trennen. Eine von der EU eingesetzte Expertengruppe, die Vorschläge zu einer Reform des Finanzsektors erarbeiten sollte, wollte zwar nicht ganz so weit gehen, kam aber in ihrem 2012 veröffentlichten Bericht (Liikanen Report) dennoch zu der Schlussfolgerung, dass „besonders risikoreiche finanzielle Aktivitäten vom Einlagengeschäft innerhalb einer Bankengruppe rechtlich zu trennen“ sind. Als besonders risikoreich gilt der Handel mit sogenannten Derivaten. Wer Derivate erwirbt, beteiligt sich faktisch an Wetten auf die Marktwerte von Wertpapieren in der Zukunft.

Ein weiterer Blick auf die Bilanz der Deutschen Bank zeigt, dass den Reformvorschlägen der von der EU eingesetzten Expertengruppe nicht gefolgt wurde. Das Wohl und Wehe der Deutschen Bank ist fast zur Hälfte von den extrem volatilen Bewertungen von Derivaten und den Bonitäten der Vertragspartner, mit denen sie die Wetten eingegangen ist, abhängig. Über die Risiken, die damit in der Bilanz der Deutsche Bank stecken, können selbst die für die Überwachung von Banken zuständigen Behörden kaum etwas Vernünftiges sagen. Man scheint noch immer zu glauben, dass die Banken diese Risiken schon irgendwie korrekt berechnen und daher auch managen können.

Mit einiger Sicherheit aber kann man vor dem Hintergrund der historischen Erfahrungen prognostizieren, dass bei einer weiteren Abkühlung der Aktienmärkte der Wert „derivativer Finanzinstrumente“ deutlich überproportional fallen wird. Die Aktienmärkte aber sind immer noch weltweit hoffnungslos überwertet. Wie anders lässt sich erklären, dass z.B. der DAX von einem Tief von 4973 Punkten Anfang 2008 auf ein zwischenzeitliches Hoch von 12.347 steigen konnte, das Bruttoinlandprodukt der Euroländer aber im gleichen Zeitraum um nur ca. ein Prozent wuchs? Da sich die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft in den vergangenen Monaten ganz erheblich eingetrübt haben, ist die gegenwärtige Korrektur der Aktienkurse alles andere als überraschend und dürfte auch mit den üblichen Jubelmeldungen in der Presse mittelfristig nicht zu stoppen sein.

Es ist daher nicht besonders schwer, vorher zu sagen, dass die Deutsche Bank und andere Banken, deren Geschäftsmodell dem der Deutschen Bank entspricht, vor turbulenten Zeiten stehen und das Schauspiel „Bankenrettung“ wohl bald erneut zur Aufführung kommen wird.

 

 

 

 

 

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