Ein Jahr Mindestlohn in Deutschland – die Prognosen des Mainstream und die Realität

Der am 1. Januar 2015 in Deutschland eingeführte flächendeckende Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro feierte Anfang dieses Jahres sein einjähriges Bestehen. Dies soll im Folgenden zum Anlass für einen Rückblick und eine erste Zwischenbilanz genommen werden.

Rückblick

Schon lange bevor der Bundestag im Juli 2014 den einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn beschlossen hatte, setzte in den deutschen Medien das zu erwartende Zeter und Mordio-Geschrei ein. So stellte beispielsweise die Tageszeitung Die Welt (28.11.2013) unter der Überschrift „Beim Mindestlohn geht es um Schadensbegrenzung“ fest: „Die November-Zahlen zeigen: Der Arbeitsmarkt befindet sich in einer glänzenden Verfassung. Doch nun kommt der Mindestlohn – und kaum eine Experte hat Zweifel, dass er das Job-Wunder in Gefahr bringt.“ Die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (2014) fasste das Expertenwissen wie folgt zusammen: „Experten gehen davon aus, dass ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro 570.000 bis 900.000 Arbeitsplätze gefährdet.“

Tatsächlich hatten sich die „Experten“ bereits im Vorfeld des Bundestagsbeschlusses lautstark zu Wort gemeldet, etwa die „Star-Ökonomen“ („Focus“) Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, und Thomas Straubhaar, damaliger Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. Sinn warnte vor den verheerenden Folgen einer gesetzlich fixierten Lohnuntergrenze: „Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro würde nach unseren Schätzungen gut eine Million Arbeitsplätze vernichten“ (zitiert nach Focus-Online, [...]

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