Noch eine Anmerkung zum „Experiment“ Mindestlohn

Günther Grunert hat in seinem Beitrag heute fast alles Wichtige zum Mindestlohn gesagt. Ich will aber noch eine Anmerkung machen. Einem Bericht des Tagesspiegel kann man unmittelbar entnehmen, wie „führende“ Arbeitsmarktforscher sich die Funktionsweise des Arbeitsmarktes vorstellen und wie falsch das ist.

Laut Tagesspiegel sagt Joachim Möller, Direktor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), der Arbeitsmarkt in Deutschland habe die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns gut verkraftet. Wörtlich: „Das angekündigte Jobdrama hat nicht stattgefunden. Auch im Osten ist es nicht zu einem großen Einbruch am Arbeitsmarkt gekommen, es sind sogar neue sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden. Das Experiment ist glücklich ausgegangen.“

Und ein anderer „Experte“ findet, dass die Wirtschaft den Mindestlohn so gut verkraftet habe, lag vor allem an der guten Konjunktur. „Der Zeitpunkt für die Einführung des Mindestlohns war perfekt“, sagt Alexander Spermann, Arbeitsmarktforscher am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Das Ergebnis sei das Gegenteil dessen, was zu befürchten war.

Das „Experiment“ ist also geglückt? Die Einführung eines so lächerlich niedrigen Mindestlohnes war also ein Experiment! Und dazu noch eines, das glückliche Umstände (und mutige Politiker vermutlich) brauchte, um zu gelingen. Das ist wohl deswegen so, weil Deutschland sich als erstes Land der Welt gewagt hat, [...]

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