Archiv flassbeck-economics | 29.01.2016 (editiert am 25.05.2016)

Unser Selbstbild und der Homo Oeconomicus[1]

Mit einer Anmerkung von Heiner Flassbeck zur Forderung der Mikrofundierung ökonomischer Theorie

“Obwohl die Finanzkrise neue Fakten geschaffen hat, die mit dem Paradigma rationaler Erwartungen und effizienter Finanzmärkte nicht erklärt werden können, halten die in den Universitäten und Zentralbanken ansässigen Vertreter der herrschenden Lehre an diesen Theorien immer noch fest.”

Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank, von dem dieses Zitat stammt, (hier) beschreibt korrekt, dass die universitäre Volkswirtschaftslehre überwiegend auf der Denkfigur des Homo Oeconomicus basiert. Diese Denkfigur ist Ausdruck einer wissenschaftstheoretischen Position, die man als methodologischen Individualismus bezeichnet und die besagt, dass alle sozialen Phänomene mit Bezug auf Entscheidungen von Handlungssubjekten zu erklären sind. Eine Handlung ist nach dem Homo Oeconomicus Modell dann erklärt, wenn gezeigt werden kann, dass auf Grundlage der Präferenzen und der Meinungen von Handlungssubjekten die Wahl einer bestimmten Handlungsalternative den höchsten Erwartungswert erzielt. Wissenschaftlich respektable Erklärungen ökonomischer Sachverhalte müssen folglich immer auf mentale Zustände von Individuen rekurrieren.

Warum aber ist die Mehrheit aller Ökonomen trotz der widersprechenden empirischen Evidenzen nicht bereit, den Homo Oeconomicus über Bord zu werfen? [...]

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