Archiv flassbeck-economics | 09.02.2016 (editiert am 25.05.2016)

Die Banken und ihre Kreditvergabe: Viel Theorie, wenig Empirie?

Einer unserer Leser wundert sich darüber, wie unterschiedlich die Funktionsweise der Banken – speziell ihre Kreditvergabe – in der entsprechenden Fachliteratur dargestellt wird. Was er zudem überhaupt nicht verstehe, sei, warum man nicht einfach einen Praxistest vornehme und versuche, die Streitfrage auf diese Weise beizulegen. Das Problem ist nach unserer Meinung nicht, dass es keine empirischen Belege für und gegen die unterschiedlichen Theorien gibt, sondern, dass man sich nicht mit der Bilanzierungs- und Kreditvergabepraxis von Banken beschäftigt und mithin die relevanten empirischen Evidenzen schlicht ignoriert. Sobald man sich damit befasst, fragt man sich dann allerdings, warum es noch immer so viele unterschiedliche Theorien zur Kreditvergabe von Banken gibt.

  1. Die Theorien

Unser Leser nennt drei unterschiedliche Theorien zur Kreditvergabe der Banken, die miteinander im Wettstreit stehen und die im Folgenden knapp skizziert werden (eine hervorragende Darstellung findet sich bei Werner 2014):

a) Die Finanzintermediations-Theorie sieht Banken als reine Intermediäre, die Einlagen einwerben, die sie dann an Kreditnehmer ausleihen. So stellen etwa Krugman/Obstfeld bezüglich der Einleger der Banken fest: „Die Banken verwenden deren Einlagen für die Vergabe von Krediten und den Erwerb anderer Vermögenswerte“ (Krugman/Obstfeld 2009, S. 787). In zugespitzter Form findet sich diese Sichtweise auch in der bekannten (nicht ganz ernst gemeinten) „3-6-3-Regel“, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden