Archiv flassbeck-economics | 22.02.2016 (editiert am 08.06.2016)

Europa braucht markträumende Mindestlöhne

Üblicherweise sagt man: Ein europäischer Mindestlohn sollte sich nach dem richten, was sich die Länder leisten können. Was immer vergessen wird: Er muss sich auch nach dem richten, was die Länder sich leisten müssen, wenn sie ihre Kapazitäten ausschöpfen und Arbeitslosigkeit vermeiden wollen.

Nachdem auch Deutschland einen landesweiten Mindestlohn eingeführt hat, existiert dieses Instrument in 23 von 28 EU-Ländern. Andere Länder, wie etwa Schweden, haben dank flächendeckenden Tarifverträgen faktisch auch Mindestlöhne. Deshalb stellt sich jetzt die Frage nach der Vereinheitlichung. Der Präsident der EU-Kommission, Jean Claude Juncker, hat in seinem Regierungsprogramm Mindestlöhne in jedem EU-Land gefordert, ohne allerdings dessen Höhe zu präziseren. Die deutsche „Linke“ wird konkreter. Sie fordert einen Mindestlohn von 60% des nationalen Durchschnittslohns.

Die Perspektive, in der diese Diskussion geführt wird, ist bisher sehr defensiv und von betriebswirtschaftlichem und gewerkschaftstaktischem Denken geprägt. Die Messlatte ist meist der Medianlohn und die Debatte dreht sich darum, bei wie vielen Prozent des Medianlohns der Mindestlohn angesetzt werden soll. 2013 lagen die Werte gemäss Berechnungen des WSI zwischen 61% in Frankreich und Slowenien, 50% für Deutschland und 36% in Tschechien.

Die Gewerkschaften fordern einen Lohn, von dem man irgendwie überleben kann. Die Arbeitgeber argumentieren, dass ein zu hoher Mindestlohn die Unternehmen zwinge, [...]

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