Investitionen und Ersparnisse – eine Klarstellung

Ein Leser schreibt uns in Bezug auf den Beitrag „Sektorale Salden und der Kredit der Banken“ (Link):

„Dass  Investitionen nur mit Ersparnissen  – diese begriffen als  Nicht-Kon­sum (Y – C) –  möglich sind, ist darin begründet, dass nur der nicht verkonsumierte Teil des Bruttoinlandsprodukts in Form von Investitionsgütern zur Verfügung steht. Werden definitionsgemäß das Bruttoinlandsprodukt  mit dem Einkommen der Verbraucher und die Menge der in einem Wirtschaftsjahr produzierten Konsumgüter mit den Konsumausgaben gleichgesetzt, so kann nur der Teil der gesamten produzierten Güter investiert werden, dem keine Konsumausgaben entsprechen.“

Der fett hervorgehobene Teil klingt erstmal logisch, entpuppt sich aber als eine Fehlinterpretation einer Identität (Gleichung). In einer geschlossenen Volkswirtschaft (ohne internationalen Handel) gilt, dass die Höhe der Ersparnis der Höhe der Investitionen entspricht. Es ist richtig, dass konsumierte Güter nicht investiert werden, aber was bedeutet das? Schließlich taucht ja der Konsum K nicht in der definitorischen Gleichung Investion I = Ersparnis S auf. Dies ist schon ein Fingerzeig, dass es mit realen Güterengpässen hier nicht weit her ist. Wenn ich ein Haus bauen möchte und dies per Kredit finanziere, dann werden zusätzliche Investitionsgüter erzeugt, sollten die bestehenden Quantitäten nicht ausreichen. Unternehmen reagieren auf eine Ausweitung der Nachfrage mit einer Ausweitung der Produktion! Aus diesem Grunde führt bei einer nicht vollkommen ausgelasteteten Volkswirtschaft eine Erhöhung der Investitionen eben nicht zu einem Rückgang des Konsums. Es werden halt zusätzliche Investitionsgüter produziert, und im Zweifelsfall konsumieren die Empfänger der zusätzlichen Einkommen dann auch mehr (und nicht weniger). Der Fall, dass bei einer Erhöhung der Imvestitionen der Konsum zurückgeht, gilt ausschließlich für den Fall einer voll ausgelasteten Wirtschaft. Von der sind wir seit Jahrzehnten weit entfernt.

Ein weiterer Absatz mit Bezug zu dem Artikel lautet wie folgt:

„Auf der Geldebene können Ersparnisse und Investitionskredite zueinander in einem beliebigen Verhältnis stehen. Dieses wirkt sich nur auf die Bilanzen der Banken aus. Wird z. B. weniger investiert und nehmen die Unternehmer deshalb weniger Kredite auf, als von den Verbrauchern gespart wird, so verschlechtert sich (bei gleichbleibenden Staatsschulden und Auslandsgeschäften) die Vermögenslage der Banken, da in diesem Falle ihren Kreditforderungen höhere Verbindlichkeiten aufgrund von Sparguthaben gegenüberstehen.“

Sofern mit Investitionskrediten die Investitionen gemeint sind, ist der erste Satz falsch. Die Ersparnis entspricht definitorisch den Investitionen, von daher können sie keineswegs „in einem beliebigen Verhältnis stehen“. Die geplante Ersparnis kann von der geplanten Investition ex ante abweichen, aber ex post muss die Identität wieder erfüllt sein. Sollten UnternehmerInnen weniger Kredite aufnehmen und weniger investieren, so wird auch die Ersparnis sinken. Hier darf man Fluß- und Bestandsgrößen nicht verwechseln. Sparguthaben sind eine Bestandsgröße, die zu einem Zeitpunkt gemessen wird. Die Ersparnis S allerdings ist eine Flussgröße, denn sie wird für einen Zeitraum – meist ein Jahr – ermittelt. Genauso verhält es sich mit Investitionen I (Flussgröße) und Kapitalstock K (Bestandsgröße).

Wenn UnternehmerInnen weniger Kredite aufnehmen, dann werden sich die Bankbilanzen nicht so verlängern, wie es sonst der Fall gewesen wäre. Schließlich führt der Abschluss eines Kreditvertrags zu jeweils zwei Buchungen in den Bilanzen von Bank und Kreditnehmer. Die Bank bekommt mit dem Kredit eine Forderung in die Bilanz und mit den neu geschaffenen Einlagen eine Verbindlichkeit, beim Kreditnehmer kommen umgekehrt mit dem Kredit eine Verbindlichkeit und mit den Einlagen in der Bank eine Forderung hinzu. Die Vermögenslage der Banken wird also bei niedrigen Investionen nicht „durch höhere Verbindlichkeiten aufgrund von Sparguthaben“ eingetrübt. Eher sind es die geringeren Zinserträge, welchen den Gewinn der Banken mindern und sich so auf deren Vermögen auswirken.

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