Archiv | 16.02.2016

Ölpreise steigen, über Förderkürzungen wird aber gerade erst verhandelt

Man fragt sich manchmal, ob bestimmte Vorurteile in der Welt sind, weil es die Welt für das eigene Denken so schön bequem macht, oder ob sie in der Welt sind, weil man vielen von uns schon von Kindesbeinen an eingebläut hat, bloß nichts zu sagen, was im Gegensatz zu dem steht, was irgendwelche „geistigen Autoritäten“ uns permanent vorkauen – und am Ende vor die Füße spucken.

Immer wieder schreiben mir Leser, sie könnten nicht glauben, was ich zu den Preisen von Rohstoffen sage, dass sie nämlich über weite Strecken nichts mit physischem Angebot und physischer Nachfrage zu tun haben. Es ist offenbar unglaublich schwer – selbst für Laien (von sogenannten Experten, die Mikroökonomie an der Universität gelernt haben, erst gar nicht zu sprechen) – sich von dem Vorurteil zu lösen, das man uns von Kindesbeinen eingebläut hat, nämlich dass der Kartoffelpreis sinkt, wenn es eine gute Ernte gibt. Nachgerade nichts kann uns davon abhalten, diese Lehre auf alles und jedes zu übertragen, was wir (scheinbar) vor uns sehen.

Nehmen wir dazu ein Beispiel von heute: Im Handelsblatt steht als Unterüberschrift folgendes: „In Doha treffen sich heute die Öl-Förderländer Saudi-Arabien, Russland, Katar und Venezuela. Dabei könnte es um Förderkürzungen gehen, um den Preisverfall zu bekämpfen. Die Ölpreise reagieren bereits.“

Aha, die Preise reagieren (steigen), bevor sich die Förderländer überhaupt auf Kürzungen des Angebots verständigt haben. Warum fragt niemand: Wie kann das sein? Wenn sich weder Angebot an Öl noch die Nachfrage nach Öl geändert haben, wie kann der Preis steigen? Wieso schreibt ein Redakteur des Handelsblattes dieses Faktum auf, ohne auch nur auf den Gedanken zu kommen, dazu Fragen zu stellen? Die einfachste und naheliegende Frage lautet: Wenn es möglich ist, dass die Preise reagieren, bevor man überhaupt Angebotskürzungen vornimmt, ist dann der Preis vielleicht auch gefallen, ohne dass dazu sich Angebot oder Nachfrage geändert haben? Wenn das aber der Fall wäre, müsste man fragen, ob die Maßnahmen der Ölproduzenten überhaupt etwas bewirken können in einer Welt, in der der Ölpreis offensichtlich steigen kann, ohne dass sich die Nachfrage erhöht oder das Angebot verringert hat.

 

 

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