Wo sind die deutschen Gewerkschaften?

Ein Leser weist mich darauf hin, dass die Börsenzeitung einen Kommentar zur nächsten Tarifrunde in der Metallindustrie losgelassen hat (hier), der in vieler Hinsicht bezeichnend ist für die Medienkampagne, mit der man wieder einmal versucht, die Gewerkschaften einzuschüchtern. Was nicht ganz dazu passt, ist das Schweigen der Gewerkschaften selbst. Ist es vielleicht sogar so, dass man die Gewerkschaften heutzutage nicht einmal mehr einschüchtern muss, weil sie längst dem Kampf für höhere Löhne aufgegeben haben?

Zunächst muss man feststellen, dass die IG-Metall 4,5 bis 5 Prozent Lohnzuwachs fordert. Das ist eine „unglaubliche“ Forderung, wird doch etwa jeden Tag in Deutschland verkündet, es herrsche Vollbeschäftigung. Wenigstens dann, sollte man meinen, werden Löhne durchgesetzt, mit denen die Gewerkschaften versuchen, zu normalen Abschlüssen zurückzufinden; vom Aufholen der verlorenen Einkommen der vergangenen 15 Jahre erst gar nicht zu reden.

Dass im vergangenen Jahr die Nominallöhne und die Reallöhne( laut Reallohnindex des Statistischen Bundesamtes) etwas stärker gestiegen sind, ändert nämlich an dem allgemeinen Zurückbleiben der Löhne wenig. Bei dem Zuwachs der Nominallöhne im Jahr 2015 von 2,8 Prozent muss man ja bedenken, dass es 2015 einen positiven Einmaleffekt aufgrund der Einführung des Mindestlohnes gegeben hat. [...]

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