Zwei Notenbankpräsidenten, eine belanglose Meinung

Es ist unglaublich, aber wahr. Der französische und der deutsche Notenbankpräsident schreiben gemeinsam ein Papier (hier zu finden) zur Reform der Eurozone und was kommt heraus? Leicht verwirbelte heiße Luft!

Der neue (seit 1. 11. 2015) französische Notenbankpräsident, von den Sozialisten eingesetzt und auf den schönen Namen François Villeroy de Galhau hörend (Villeroy ist nicht zufällig Teil des Namens, er ist verwandt mit den Porzellanherstellern im Saarland), war einst Kabinettschef von Dominique Strauss-Kahn (wo ich ihn persönlich kennengelernt habe) und zeigt sich in diesem Artikel als getreuer Anhänger von New Labour, der sich natürlich nicht scheut, mit einem Extrem-Konservativen wie Jens Weidmann gemeinsame Sache zu machen.

Man muss dazu wissen, dass in Frankreich als Qualifikation für jeden höheren Posten in der Verwaltung ein Abschluss an der ENA (Ecole National d’Administration) gilt, ganz gleich, was man dort gelernt hat. So waren die letzten drei französischen Notenbankpräsidenten (Trichet, Noyer und jetzt Galhau) keine Volkswirte, was, nach meiner eigenen Erfahrung, fürchterliche Auswirkungen auf die Repräsentation der Grande Nation in internationalen Foren und Institutionen hat. Wenn der Notenbankpräsident nämlich nicht ernsthaft mitreden kann, beschränkt man sich darauf, prozedurale Fragen zu diskutieren und die anderen bestimmen in der Sache.

Ich habe es selbst erlebt, dass der französische Notenbankpräsident und der stellvertretende Finanzminister Frankreichs (beide ENAisten) in der Eurogruppe vollkommen belanglose Positionen vertreten haben, weil sie einfach nicht verstanden, worum es bei einer komplexen makroökonomischen Frage ging. Dominique Strauss-Kahn war da allerdings die große Ausnahme (er war auch kein ENAist), weil er etwas von der Sache verstand.

Wohlgemerkt, ein konservativer Notenbankpräsident, der Volkswirt ist, hilft natürlich auch nicht, aber konservative Regierungen wollen ja nichts ändern, deswegen genügt es bei Ihnen, wenn sie und ihre Vertreter in den Notenbanken auf alten Positionen beharren. Wer aber einer neuen Herausforderung gegenübersteht oder etwas ändern will (was man von einer sozialistischen Regierung erwarten könnte), kommt mir konservativen Positionen nicht aus. Das werden aber kontinentaleuropäische Sozialisten oder Sozialdemokraten wohl niemals verstehen. Man schaue sich dagegen an, wer in den USA oder auch in Großbritannien in diesen Zeiten Notenbankpräsident ist, dann erkennt man einen gewaltigen Unterschied.

Den Inhalt des Papiers der beiden kann man getrost vergessen. Der „genialste“ Gedanke ist schon, dass die Kapitalmarktunion (siehe unsere Kritik hier) doch zu einer Belebung der Investitionstätigkeit führen könnte, wenn man – über die Kapitalmärkte – den Unternehmen mehr Eigenkapital zur Verfügung stellt. Klar, den deutschen Unternehmen, die im Geld schwimmen und Nettosparer sind, muss man jetzt mehr Eigenkapital anbieten und schon werden sie investieren. Welch ein Unfug. Ansonsten geht es wieder einmal um die „Reformen“ der Güter- und Arbeitsmärkte, was sonst.

Man muss sich immer wieder wundern, dass sich erwachsene Menschen nicht schämen, hundert Mal den gleichen Humbug zu erzählen, obwohl offensichtlich ist, dass er das Gegenteil von dem bewirkt, was man verspricht. Bei Herrn Weidmann ist die Ideologie natürlich stärker als jede Einsicht. Nur ist und bleibt es vollkommen absurd, dass bei diesem Spiel ein von den Sozialisten frisch eingesetzter Notenbankpräsident mitmacht. Die französischen Sozialisten, das ist die Partei, für diejenigen, die es vergessen haben sollten, die um ihr Überleben kämpft, weil sie vollkommen unfähig ist, die eigene Wirtschaft zu beleben.

 

 

 

 

 

 

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