Archiv flassbeck-economics | 23.03.2016 (editiert am 25.05.2016)

Geringe deutsche Lohnsteigerungen – ohne jede Wirkung

Ein Leser (danke dafür!) weist mich auf einen „wissenschaftlichen“ Aufsatz hin, den die Bundesbank veröffentlicht, weil auch ein Mitarbeiter der Behörde daran mitgearbeitet hat (hier). Wieder einmal wird in dem Aufsatz versucht, mit „wissenschaftlichen Methoden“ (Vorsicht Ökonometrie!) zu beweisen, dass die deutsche Lohnzurückhaltung nicht die Ursache der Eurokrise war.

Die „Studie“ endet mit dem Fazit: „Unsere Studie zeigt, dass eine weniger starke Verhandlungsposition der deutschen Arbeitnehmer die deutsche Leistungsbilanz verbessert. Die Reaktionen in den anderen Euro-Ländern fallen aber gemischt aus, und insgesamt ist der Effekt nicht sehr groß. Das bedeutet: Die deutsche Lohnzurückhaltung kann nicht der Hauptgrund für die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte im Euro-Raum gewesen sein.“

Nein, natürlich nicht! Ich kann den Kollegen, die so etwas schreiben, nur den alten Satz empfehlen, der da lautet: Was man nicht rechnen kann, muss man denken. Wenn man nur einen kleinen Augenblick vorurteilslos denkt, kann man oft Probleme lösen, die man in hundert Jahren ökonometrischer „Forschung“ nicht gelöst kriegt. Rechnen ohne zu denken ist vollkommen sinnlos.

Also denken wir mal ein paar Minuten hilfsweise für die Bundesbank-Kollegen. Ein großes Land, das bisher ein Inflationsziel von zwei Prozent hatte, wird Mitglied einer Währungsunion, die sich auch ein Ziel von zwei Prozent gesetzt hat. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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