Archiv flassbeck-economics | 08.03.2016 (editiert am 08.06.2016)

China und das kommunistisch gelenkte Wirtschaftswunder

Mehrere Leser haben bei uns nachgefragt, was wir von den auf den Nachdenkseiten besprochenen Ausführungen des ZDF zu China halten (hier). Die Antwort ist genau die, die von den NDS schon gegeben wurde: Nichts!

Das, was da von Marietta Slomka und Kollegen zum Besten gegeben wird, ist mit ideologisch geprägtem Halbwissen noch sehr schmeichelhaft umschrieben. So heißt es in dem Beitrag: „Doch dass sich die Wirtschaftsdynamik so stark abgeschwächt hat, ist auch Ausdruck eines Grundproblems, China ist eben nicht wirklich eine Marktwirtschaft. Unternehmerische Erfolge an der Staatspartei vorbei sind nach wie vor kaum möglich. Aber es gibt noch andere Gründe, warum es der Parteiführung bislang nicht gelingt, ein chinesisches Silikon Valley von oben zu organisieren.“

Willkommen in Absurdistan, wo der Wunsch offensichtlich der Vater fast jeden geäußerten Gedankens ist. Die Zeit der „Reformen“ (die von der Planwirtschaft zu einer staatlich stark regulierten Marktwirtschaft führten) begann 1978. Jetzt rechnen wir mal. Das sind bis heute über 35 Jahre, von denen fast alle Jahre extrem erfolgreich im Sinne des Aufholens eines vormals armen Landes waren. 35 Jahre Wirtschaftswunder, das stellt alles in den Schatten, was vorher aufholende Länder wie Deutschland, Japan oder Korea geschafft haben. Und alles verlief unter der Ägide einer Partei, die sich bis heute kommunistisch nennt.

Dazu gab es kaum große Krisen und eine Dimension bei den Wachstumsraten, die weit über die der sogenannten Wirtschaftswunderländer nach dem zweiten Weltkrieg hinausgingen. Und jetzt beginnen in Deutschland einige Medien darüber zu philosophieren, ob der jetzige leichte Wachstumsrückgang (der zudem zum großen Teil von einem Exportrückgang kommt) nicht doch beweist, dass Marktwirtschaft unter der Führung einer kommunistischen Partei gar nicht funktionieren kann.

Doch das mit der „nicht wirklichen Marktwirtschaft“ hat schon seinen tieferen Sinn. Auf diese Weise macht man – als deutsches öffentlich-rechtliches Medium – ganz geschickt „Werbung“ für die Position der Protektionisten in Deutschland, die ja nichts anderes im Sinn haben, als zu verhindern, dass China Ende dieses Jahres von der WTO formal der Status einer Marktwirtschaft gegeben wird (wir haben hier darüber berichtet).

(Wir mussten den Beitrag korrigieren, weil uns ein Zitat-Fehler unterlaufen war)

 

 

 

 

 

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