Eine glatte Fehlinformation vom Statistischen Bundesamt zum Konsum

Einige unserer Leser sind irritiert und fragen, ob sie etwas verpasst haben oder ob wir etwas nicht berichtet haben. Heute schreiben die Zeitungen (hier die FAZ) nämlich ganz euphorisch von einem uralten Hut, weil er gerade als neuer Hut vom Statistischen Bundesamt verkauft wird. Dass die deutschen Konsumausgaben im vergangenen Jahr gestiegen sind, wird niemand bestreiten und es war ungefähr seit acht Monaten klar (und wir sagen es etwas seit dieser Zeit), dass es so kommen würde.

Dieser alte Hut wird vom Statistischen Bundesamt aber, und das ist schon eine tolldreiste Entgleisung, mit einer glatten Fehlinformation (oder soll man Lüge dazu sagen?), verkauft (hier).

Das Amt, dessen Aufgabe die wertneutrale Information über empirische Abläufe ist, schreibt im Begleittext auf seiner Pressemitteilung: „Wesentliche Gründe für diesen deutlichen Anstieg liegen in der positiven Konsumneigung der privaten Haushalte sowie in der geringen Zunahme der Verbraucherpreise (2015: + 0,3 %)“. „Die positive Konsumneigung“ aber, die eine positive Veränderung des Konsums erklären könnte, gibt es nicht. Positive Konsumneigung kann in diesem Zusammenhang ja nur heißen, dass die privaten Haushalte deswegen mehr konsumiert haben, weil die Sparquote gesunken ist. Das aber ist nach allem, was wir wissen, nicht der Fall.

Erklärt wird die Zunahme des realen Konsums fast ausschließlich von der Zunahme der realen Einkommen, während die Konsumneigung (nämlich die Neigung der Menschen, mehr oder weniger von diesem Einkommen auszugeben) unverändert geblieben ist.

Das ist deswegen eine schlimme Entgleisung eines Statistischen Amtes, weil es hier – in vorauseilendem Gehorsam vermutlich – der in der Presse und in der Politik üblichen Muster folgt, die alles entscheidende Entwicklung der Einkommen zu verschweigen und über „Neigungen“ à la „Geiz ist geil“ oder der „Deutsche im Konsumrausch“ zu schwadronieren. Das macht man natürlich gerne, weil die Erwähnung der Einkommensentwicklung in diesem Zusammenhang die Leute ja auf die „dumme Idee“ bringen könnte, dass eine Zunahme der Realeinkommen keine schlechte Idee ist, weil sie dafür sorgen könnte, dass der private Verbrauch steigt, die Binnenwirtschaft sich positiv entwickelt und neue Arbeitsplätze entstehen.

 

 

Anmelden