Fördert die EZB die Bürgerkrankenversicherung? Über die ideologischen Verwirrungen von Wirtschaftsjournalisten

ein Gastbeitrag von Hartmut Reiners

Zum Jahresbeginn haben etliche private Krankenversicherungen (PKV) ihre Beiträge teilweise kräftig erhöht. Marc Beise, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung (SZ), hält diesen Vorgang zwar für bedauerlich, aber unvermeidlich. Denn: „Zum einen steigen die Gesundheitskosten angesichts einer alternden Gesellschaft und neuer, teurer Therapien. Zum anderen durchkreuzen niedrige Zinsen das Geschäftsmodell der privaten Versicherer.“ (SZ, 5. März 2016) Das sei aber kein Anlass, „die alte Diskussion um eine einheitliche Bürgerkrankenversicherung aufzuwärmen. Das zweigleisige System hilft, das Gesundheitswesen so effizient zu halten, wie es eben geht. Wettbewerb, wenn er denn funktioniert, ist immer noch die beste Garantie dafür, dass der Bürger am Ende gut bedient wird.“ Respekt. Marc Beise ist es gelungen, all den Unsinn, der über die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen und den Nutzen des dualen Krankenversicherungssystems unterwegs ist, noch zu toppen. Jedenfalls ist bislang meines Wissens noch niemand auf die Idee gekommen, die Europäische Zentralbank (EZB) sei mit ihrer Zinspolitik ein heimlicher Förderer der Bürgerkrankenversicherung.

Dagegen wird die Behauptung, die demografische Entwicklung und der medizinischen Fortschritt würden die Gesundheitsausgaben zwangsläufig in die Höhe treiben, seit über 30 Jahren in den Medien faktenresistent wiedergekäut. Tatsächlich ist die Gesundheitsquote des BIP seit 1980 von 8,4 auf heute 11,2 Prozent gestiegen, [...]

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