Archiv flassbeck-economics | 18.03.2016 (editiert am 25.05.2016)

Italien: "Sterben für den Euro" – Warum Märtyrer zu Wutbürgern werden. (Teil I)

Ein Gastbeitrag von Martin Rothweiler

Die gängigen deutschen Deutungsversuche für die Schwierigkeiten in Bella Italia reichen meist nicht über triviale Schlagwörter wie „Korruption“, „behäbige Bürokratie“ und „unproduktive Arbeitnehmer“ hinaus. Auch die wenigen deutschsprachigen Korrespondenten der italienischen Medienlandschaft (z.B. Udo Gümpl oder Tobias Piller – auch als „Planierraupe“ der FAZ in Italien betitelt, hier), haben nicht viel mehr als den moralischen Zeigefinger des deutschen Oberlehrers zu bieten. Äthopien z.B. ist in Sachen Korruption wahrlich kein Vorzeigekandidat und kann trotzdem ein respektables Wirtschaftswachstum vorweisen. Finnland hingegen ist trotz exzellenter Noten in Sachen Korruption, Effizienz und Bürokratie als Europas Sorgenkind abgestürzt. Diese abgenützten Argumente allein werden der Sache also bei weitem nicht gerecht und dienen nur der Polarisierung und dem Erhalt des Selbstbildes der scheinbaren nordischen Überlegenheit.

Fragwürdige Vorbilder

Deutsche Meisterleistungen wie die Rotlicht- und Abgas-Affären von VW, Korruption bei Siemens, das Berliner Flughafendesaster, die Elb-Philharmonie und das deutsche Geldwäsche-Eldorardo (hier) liefern in Italien ausreichend Munition um rhetorisch zurückzufeuern und das deutsche „Vorbild“ inklusiv verordneter „Hausaufgaben“ der schwäbischen Hausfrauen-Ökonomie (hier) fundamental in Frage zu stellen. Die deutsche Kreativität in makroökonomischer Buchführung inklusive Defizit-Verfahren gegen Deutschland in den Jahren 2002/2004 (hier) sowie der kontinuierliche unlautere deutsche Leistungsbilanzüberschuss bilden ebenso kontraproduktive Präzedenzfälle welche in Italien zunehmend ins Bewusstsein der Euro-Antagonisten rücken. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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