Archiv flassbeck-economics | 07.04.2016 (editiert am 25.05.2016)

Ein wissenschaftlicher Skandal, der keiner sein darf – Teil 2

Im ersten Teil hatte ich bereits gefragt, wie man den erneuten Anstieg des deutschen Leistungsbilanzüberschusses erklären kann, wenn man der These anhängt, es sei – abgeleitet aus der Identität von Netto-Güterstrom und Netto-Kapitalstrom – regelmäßig der Kapitalstrom, der sozusagen die Führungsrolle übernehme (wir haben uns hier und bei den dort angegebenen Stellen mit dieser These auseinandergesetzt und sie klar abgelehnt). Jetzt kann man sie noch viel klarer widerlegen.

Wäre man aufrichtig als Wissenschaftler, müsste man angesichts des Befundes, dass der deutsche Überschuss in der Leistungsbilanz auch gegenüber den EWU-Ländern wieder deutlich gestiegen ist, sofort die eigene These (die ich in Kurzform die Sinn-Hypothese nenne, die aber auch von linken Wissenschaftlern benutzt wird, siehe hier) neu aufgreifen und zeigen, was sich bei den Determinanten der Kapitalströme im letzten Jahr geändert hat, das zu einer Erklärung der Dominanz der Kapitalströme passen könnte.

Doch so funktioniert Ökonomik nicht. Im Gegenteil, man setzt eine These in die Welt, bebildert sie an einem einzigen Fall (Spanien in der Regel) und alle, denen das eigene Denken schwer fällt, folgen schnell und bestätigen damit den abstrusen Befund. Gibt es neue Ereignisse, die diese These in Frage stellen, schweigt man einfach und sitzt die kritische Situation in bester politischer Manier aus. [...]

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