Archiv flassbeck-economics | 18.04.2016 (editiert am 25.05.2016)

Der neue ifo-Präsident: Alle Vorurteile dieser Welt

Einige Leser haben uns auf ein Interview des neuen Präsidenten des ifo-Instituts, Clemens Fuest, hingewiesen (hier zu finden, aber im Abonnement). Das ist in der Tat schlimm. Der Gipfelpunkt (der geistigen Tiefebene, werden viele sagen) ist zweifellos die Aussage: „Mehr Mindestlohn, mehr Arbeitslosigkeit“. Und auf die Nachfrage der SZ, dass das umstritten sei, sagte er: „Nicht wirklich. Die Grundaussage kann man nicht ernsthaft bestreiten.“ Oder zu Unternehmensteuern: „Höhere Unternehmensteuern oder Netto-Vermögensteuern kosten Arbeitsplätze.“

Wieder muss man die Frage stellen, die uns so oft gestellt wird: Kann das bloß Ignoranz oder Unwissen sein? Viele werden sicher zu dem Urteil kommen, dass hier schlicht ein Lobbyist zum Präsidenten eines Instituts bestellt wurde, der das exekutiert, was ihm die deutsche Industrie einflüstert. Das mag sein, aber es hilft nicht weiter, wenn man dabei stehen bleibt.

Fuest ist der typische Fall eines in Deutschland in den einschlägigen konservativen Institutionen ausgebildeten Ökonomen. Er ist zudem Finanzwissenschaftler, was schwer wiegt, weil in diesem Fach in Deutschland traditionell eine Ausbildung vorherrscht, die eher zur Ausübung eines Buchhalterjobs qualifiziert als eines Gesellschaftswissenschaftlers. Man kann in diesem Fach (und in vielen anderen zumal) nur Karriere machen, wenn man in allen Fragen, [...]

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